ErfolgschancenSo erfolgreich ist die künstliche Befruchtung

Riesig sind die Erwartungen an die künstliche Befruchtung. Doch auch die Medizin hat ihre Grenzen. Diese Zahlen zu den Erfolgschancen sollten Sie kennen.

Erfolgschancen der künstlichen Befruchtung
Studien zeigen: Die Erfolgschancen bei der künstlichen Befruchtung sind nicht schlecht. © iStock / Getty Images Plus

Paare mit Kinderwunsch setzen grosse Hoffnungen in die künstliche Befruchtung. Für sie ist es oft die einzig verbleibende Chance, noch ein eigenes Kind zu bekommen.

Diese grosse Chance ist aber auch eine grosse Herausforderung für Körper und Seele von Mann und Frau. Enttäuschung, Angst, Hoffnung, Einsamkeit und Freude wechseln sich ab. Umso wichtiger ist es, die künstliche Befruchtung realistisch einzuschätzen.

Erfolgschancen in der Schweiz

In der Schweiz kommt mittlerweile jedes 50. Kind mithilfe von künstlicher Befruchtung auf die Welt. Von 87.883 lebend geborenen Säuglingen im Jahr 2016 waren es 2162 Kinder, ganze 2,46 Prozent.

Nach Zahlen des Bundesamts für Statistik lassen sich immer mehr Frauen behandeln, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Waren es 2004 noch 3467 Frauen, sind es im Jahr 2016 schon 6049.

Die In-vitro-Fertilisation wählten 18 Prozent der Frauen. Die ISCI-Methode wurde mit 80 Prozent weitaus häufiger angewendet. Bei knapp zwei Prozent ist die Methode der künstlichen Befruchtung nicht bekannt.

Und die Erfolgschancen sind nicht schlecht: Von den rund 6000 Frauen wurden 41,5 Prozent schwanger. Von diesen 2510 Schwangerschaften führten 74,5 Prozent zu einer Geburt. Es wurden 2162 Kinder lebend geboren, davon 27,4 Prozent Mehrlinge. Nach den Daten von 2016 liegt die Erfolgschance bei 35,7 Prozent.

Erfolg nach Methode der künstlichen Befruchtung

Die Geburtenrate pro Behandlungszyklus ist je nach Methode der künstlichen Befruchtung unterschiedlich. Diese Zahlen sind jedoch nur Anhaltspunkte. Der Erfolg ist von vielen Faktoren abhängig und die individuelle Situation sollte auf jeden Fall mit dem Arzt besprochen werden.

  • Insemination: 5 bis 20 Prozent
  • In-Vitro-Fertilisation (IVF): 15 bis 25 Prozent
  • Natürliche In-Vitro-Fertilisation ohne Hormontherapie: 25 Prozent
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): 15 bis 30 Prozent

Zum Vergleich: Auch gesunde Paare mit Kinderwunsch müssen sich oft gedulden, bis eine Schwangerschaft eintritt. Die Wahrscheinlichkeit liegt pro Zyklus nur bei 20 bis 30 Prozent. Die Chancen sind also ähnlich wie bei der künstlichen Befruchtung.

Wie viele Versuche sollten gemacht werden

2016 wurden in der Schweiz über 11'003 Behandlungen bei den 6042 Frauen durchgeführt. Das zeigt: Oft klappt es nicht direkt beim ersten Mal. Es sind mehrere Versuche nötig.

Viele Kliniken empfehlen standardmässig drei Versuche der künstlichen Befruchtung. Doch neue Studien zeigen: Es lohnt sich für die Paare mit Kinderwunsch noch mehr Versuche zu machen, vorausgesetzt die psychische und finanzielle Situation des Paares lässt dies zu.

Bis zu sechs Versuche machen Sinn, zeigt eine Studie aus Grossbritannien mit über 156'000 Frauen. Hatte nach der ersten IVF jede dritte Frau ein Kind, stieg die Wahrscheinlichkeit von Versuch zu Versuch. Beim sechsten waren es schon 65 Prozent. Danach sind die Erfolgschancen gering. 68 Prozent waren es bei neun Versuchen.

Wie das Alter der Frau die Erfolgschancen beeinflusst

Das Alter der Frau ist laut der Studie ein wichtiges Kriterium. Wurden Frauen von unter 40 Jahren noch 68 Prozent nach bis zu sechs Zyklen Mütter, so waren es im Alter von 40 bis 42 Jahren nur 31 Prozent und im Alter über 42 nur noch zehn Prozent.

Das zeigt auch eine weitere Studie aus Israel mit 146 Frauen, die im Alter von 41 bis 43 Jahren eine IVF wagten. Nach sechs Versuchen lag die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt bei 28,8 Prozent. Nach 13 Versuchen bei 33,6 Prozent.

Zudem zeigt die Studie: Je älter die Frau, umso unwahrscheinlicher eine erfolgreiche Schwangerschaft. Sie liegt bei 42-jährigen Frauen bei 8 Prozent, bei den 42-Jährigen bei 5,8 Prozent und bei den 43-Jährigen nur noch bei 4,1 Prozent. Und noch eine Erkenntnis: Rauchen minimiert die Wahrscheinlichkeit um 80 Prozent.

Was die Chancen erhöhen kann

Neben dem Alter der Frau und des Mannes, beeinflussen eine grosse Zahl von weiteren Faktoren die Erfolgschance einer künstlichen Befruchtung. Je jünger das Paar und gesünder der Lebensstil, umso besser. Auch die Spermienqualität kann durch einige Tipps verbessert werden.

Wenn die künstliche Befruchtung erfolglos bleibt

Die Chancen hängen aber nicht nur allein vom Paar, sondern an der Behandlung selbst. Denn sie ist kompliziert und störungsanfällig. Es kann sein, dass trotz Hormontherapie keine fruchtbaren Eizellen entnommen werden können oder dass die Befruchtung selbst nicht gelingt. Häufig nistet sich der Embryo auch nicht in der Gebärmutter ein. Auch Fehlgeburten, Eileiterschwangerschaften und Totgeburten sind nicht ausgeschlossen.

Irgendwann wird sich jedes Paar eine Grenze setzen, wie viele Versuche sie noch machen möchten, wie lange sie noch diese psychisch und physisch anstrengende Zeit durchhalten können.

Die Kinderlosigkeit zu akzeptieren, zu trauern und Alternativen wie eine Adoption in Betracht zu ziehen: all dies braucht Zeit und Hilfe. Diese bekommen Paare bei Therapeuten und Selbsthilfegruppen und auch in Foren wie dem BabyAhoi-Forum.

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