Digitaler MenstruationskalenderDie besten Zyklus-Apps bei Kinderwunsch

Der weibliche Zyklus lässt sich nicht verändern, aber kontrollieren. Das versprechen die zahlreichen Zyklus-Apps auf dem Markt. Doch was können sie wirklich? Ein Vergleich.

Die besten Zyklus-Apps bei Kinderwunsch
Mit dem Smartphone lassen sich viele alltägliche Dinge leicht und schnell organisieren, aber der Zyklus zählt oft nicht dazu. © iStock / Getty Images Plus

Früher wurden Kreuzchen im Kalender gemacht, um den Zyklus zu beobachten. Heute übernehmen Apps die Rechnerei und verknüpfen zudem eine Vielzahl von Daten miteinander. Dazu zählen auch Informationen zum Befinden: Zwickt der Bauch? Habe ich schlecht geschlafen? Muss ich Medikamente nehmen? Je nach App-Anbieter werden zudem mehr oder weniger detailliert Daten über Gewicht und Körpertemperatur hinterlegt.

Das Ergebnis: Auskünfte zu den fruchtbaren Tagen, dem Eisprung, der nächsten Menstruation. Doch wie sicher sind die Prognosen für die Familienplanung oder auch die Verhütung?

Zyklus-Apps im Test

Insgesamt 23 Zyklus-Apps hat Stiftung Warentest 2018 getestet, mit einem eindeutigen Ergebnis. Nur drei Apps wurden mit «gut» bewertet, darunter zwei Apps für Android und eine für iOS. Alle anderen wurden schlechter bewerter oder sind komplett durchgefallen, da sie zum Beispiel die fruchtbaren Tage und nächste Regelblutung in einem falschen Zeitraum angaben.

Der Grund: So modern wie sich die Zyklus-Apps geben, sind sie oft nicht. Denn die meisten basieren auf einem veralteten Rechenmodell. Rein mathematisch wird von einem regelmässigen weiblichen Zyklus von 28 Tagen ausgegangen, mit dem Eisprung am 14. Tag. Generell kann der Zyklus einer gesunden Frau aber zwischen 25 und 35 Tagen schwanken, bei manchen Frauen sogar stärker.

Da die fruchtbaren Tage und der Eisprung ausschliesslich aufgrund der Daten vergangener Perioden berechnet werden oder statistische Daten anderer Anwenderinnen herangezogen werden, kommt es bei vielen App-Anbietern zu ungenauen Prognosen. Dabei müssten individuelle Faktoren der Frauen viel mehr Beachtung finden wie Umwelteinflüsse, Ernährung, Stress, Gewichtsschwankungen, Medikamente oder ein unregelmässiger Zyklus.

Die besten Zyklus-Apps für die Familienplanung

Trotz den schlechten Testergebnisse, gibt es Apps, die Frauen mit Kinderwunsch helfen können. Dafür sollte am besten eine App verwendet werden, die auf der Methode der Natürlichen Familienplanung (NFP) basiert. Dabei werden neben Zeit und Dauer der Periode auch Körpertemperatur und Zervixschleim einbezogen. Diese sogenannten symptothermalen Apps sind aussagekräftiger, da sie die individuellen Daten der Frau berechnen. Allerdings ist die regelmässige genaue Messung aufwendig.

myNFP

Die App myNFP arbeitet mit der symptothermalen Methode der natürlichen Familienplanung (NFP).


Mit myNFP können die fruchtbaren Tage eingegrenzt werden. (Bild: Screenshot Google Play Store)

Täglich werden bestimmte Körpersymptome wie die Basaltemperatur und die Schleimbildung gezielt beobachtet und in die App eintragen. Mit der erstellten Kurve können die fruchtbaren Tage und der Eisprung sehr genau eingegrenzt werden.

Besonderheiten: myNFP ist eine schlicht gestaltete und übersichtliche Zyklus-App. Sie funktioniert on- und offline gleichermassen und ermöglicht es zudem, Daten über mehrere Geräte zu synchronisieren. Durch ihre genauen Prognosen eignet sie sich gut als Hilfsmittel bei Kinderwunsch.

Verfügbar für Android und iOS

Preis: kostenpflichtig, ein ganzes Jahr kostet 27 CHF, drei Monate 9 CHF

Bewertung bei Stiftung Warentest: gut

Lady Cycle

Die App Lady Cycle wertet mit der symptothermalen Methode nach der natürlichen Familienplanungsmethode aus.

 Die App Lady Cycle ist kostenlos und schickt Frauen individuell für sie abgestimmte Tipps. (Screenshot: Lady Cycle)

Dafür können die Basaltemperatur und der Zervixschleim oder alternativ die Muttermund-Eigenschaften (Lage, Öffnung, Festigkeit) eingegeben werden. Zudem wird das gesamte körperliche und psychische Wohlbefinden erfasst. Die App zeigt zudem die unfruchtbaren Tage für die Verhütung an und erfasst wichtige Symptome in der Schwangerschaft.

Besonderheiten: Der Fruchtbarkeitsstatus wird täglich mit der Farbe eines Schmetterlings dargestellt, Zyklusblatt und Kalender zeigen übersichtlich die Temperaturkurve und die nächsten fruchtbaren Tage sowie die nächste Periode an. Frauen können ihre Zyklusphasen miteinander vergleichen und erhalten individuell auf sie abgestimmte Tipps.

Verfügbar für Android und demnächst für IOS

Preis: kostenlos

Bewertung bei Stiftung Warentest: gut

Mangelhafte Android-Apps

  • Clue Menstruations- & Zykluskalender (5,5)
  • Flo Menstruation-Kalender (5,5)
  • Maya - Mein Perioden-Tracker (5,5)
  • Mein Menstruations-Kalender (5,5)
  • Menstruations-Kalender Pro (5,5)
  • Period Tracker Deluxe (5,5)
  • WomanLog-Pro-Kalender (5,5)

Mangelhafte iOS-Apps

  • Clue Menstruations- & Zykluskalender (5,5)
  • Flo Menstruations-Kalender, Zykluskalender (5,5)
  • Maya - Mein Perioden-Tracker (5,5)
  • Mein Menstruationskalender (5,5)

Quelle: Stiftung Warentest

Aufgepasst beim Datenschutz

Viele Apps sind im Hinblick auf das Einhalten der Privatsphäre und das Datensendeverhalten von der Stiftung Warentest als kritisch eingestuft worden. Bei den kostenlosen Apps zahlt der Nutzer meist automatisch mit seinen Daten. Denn Gesundheitsdaten sind ein wertvolles Gut und könnten zu Marketingzwecken nutzen lassen. So können App-Userinnen schnell Werbung für Verhütungsmittel oder Windeln erhalten.

Achtung beim Verhüten mit der Zyklus-App

Die Apps suggerieren eine sichere Vorhersage vom Zyklus. Aber mit der Kalendermethode können keine absolut verlässlichen Aussagen getroffen werden. Frauen, die keine Schwangerschaft wünschen, sollten auf jeden Fall auf eine andere Art und Weise verhüten und die Ergebnisse der Zyklus-Apps nur als Richtwerte ansehen. Aber auch für den Kinderwunsch sind die Daten nur Anhaltspunkte. Ebenso wie die Berechnungen vom Fruchtbarkeitsrechner.

Es gibt andere Methoden, um die fruchtbaren Tage zu bestimmen, wie zum Beispiel mit der Basaltemperatur oder dem Zykluscomputer. Bei diesen smarten Helfern gilt wie bei den Zyklus-Apps: symptothermale Modelle sind aussagekräftiger.

Generell gilt jedoch: Die Apps animieren dazu, den Körper genauer zu beobachten und den eigenen Zyklus besser kennenzulernen. Allein dieses Wissen kann die Chance auf eine Schwangerschaft verbessern.

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