Wenn Mann nicht kannAblauf, Chancen und Risiken der ICSI

Die intracytoplasmatische Spermieninjektion hilft langsamen Spermien auf die Sprünge. Wie die ICSI-Behandlung abläuft und welche Kosten, Risiken und Chancen sie hat.

Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
Bei der ICSI wird ein Spermium unter dem Mikroskop direkt mit einer Pipette in die Eizelle eingeführt. Die Eizelle selbst wird dabei mit einer Glaskanüle fixiert. © iStock, Getty Images Plus

In der Schweiz hegt jedes sechste Paar einen unerfüllten Kinderwunsch. Laut dem Univerisitätsspital Zürich sogar mit steigender Tendenz. Die meisten Paare, die sich für eine künstliche Befruchtung entschliessen, wählen die In-vitro-Ferilisation. Diese kann bei der Frau Probleme mit verschlossenen, beschädigten oder fehlenden Eileitern umgehen, ebenso wie die medizinisch unerklärte Sterilität.

Gründe für eine ICSI

Voraussetzung für diese Methode ist, dass die Spermien des Mannes gut sind. Gut, dass heisst: gesund, beweglich, schnell und vor allem in grosser Menge vorhanden. Ist dies nicht der Fall, muss sich das Paar für die Weiterentwicklung der IVF entscheiden: die sogenannte intracytoplasmatische Spermieninjektion, kurz ICSI. Laut dem Bundesamt für Statistik ist die ICSI in der Schweiz mittlerweile sogar die häufiger angewandte Methode.

Die ICSI hilft bei der Unfruchtbarkeit des Mannes, genauer gesagt bei einer schlechten Samenqualität oder dem kompletten Fehlen von Samenzellen im Ejakulat. Dieses Problem kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel inoperable Samenleiterverschlüsse, eine Chemotherapie oder Tumoroperation.

Sind die Spermien nicht in ausreichend grosser Zahl vorhanden, nicht beweglich genug oder zu schwach, um die Eihülle zu durchdringen, ist ebenfalls die ICSI eine Hoffnung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.

So funktioniert die ICSI

Das Verfahren der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion ist eine Weiterentwicklung der In-vitro-Fertilisation und läuft zunächst wie sie ab. Zu Beginn unterzieht sich die Frau einer Hormonstimulation, anschliessend werden mithilfe einer Follikelpunktion mehrere reife Eizellen entnommen. Diese Eizelle wird mit dem Spermien – oder im Falle der ICSI mit dem einen Spermium zusammengebracht.

Nun ist die Frage wie ein gutes Spermium gefunden werden kann. Im Normalfall wird es durch Masturbation gewonnen. Ist dies nicht oder nicht im ausreichenden Masse möglich, raten Ärzte des Unispitals Zürich zu einer Testikuläre Spermienextraktion, kurz TESE. Bei dieser entnimmt ein Urologe bei einem operativen Eingriff zwei bis drei stecknadelgrosse Gewebestücke aus dem Hoden, aus welchem anschliessend Spermien gewonnen werden können. Die Erfolgschancen sind mit 75 Prozent recht hoch.

Wie der Ablauf bei einer Intracytoplasmatische Spermieninjektion vonstatten geht.
Spermium wird in einer Glaspipette aufgezogen. (Bild: chepko/iStock, Thinkstock)

Ist ein geeignetes Spermium gefunden, wird dieses durch eine Insemination der Eizelle eingeführt. Dafür wird die Eizelle mit einer Glaskanüle fixiert und das Spermium unter dem Mikroskop mithilfe einer dünnen Glaspipette in sie eingeführt. Da die Samenzelle nur 0,06 Millimeter misst und die Eizelle 0,1 Millimeter, erfordert das Verfahren grosses Feingefühl.

Danach verläuft die IVF nach dem normalen Schema mit Embyrokultivierung und Transfers des Embryos in die Gebärmutter der Frau.

Erfolgschancen der ICSI

Die Mikro-Injektion unterstützt das Eindringen des Spermiums in die Eizelle, nicht aber das Verschmelzen der Erbanlagen miteinander. Dennoch stehen bei einer ICSI die Chancen auf eine Schwangerschaft gut. Durchschnittlich werden durch die Injektion bis zu 70 Prozent aller Eizellen erfolgreich befruchtet. Die Erfolgschancen der künstlichen Befruchtung liegen wie bei der IVF bei rund 30 Prozent.

Risiken der ISCI

Die Risiken der ICSI sind weitestgehend identisch mit dener einer normalen IVF. Durch die Hormonstimulation kann es bei der Frau zu Nebenwirkungen kommen. Für die Entnahme der Eizellen und Hodengewebe sind Kurznarkosen notwendig, die zwar ambulant durchgeführt werden, aber dennoch Risiken bergen können.

Durch ein Einsetzen mehrer befruchteter Eizellen ist das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft erhöht und liegt bei rund 30 Prozent. Ebenso ist das Risiko einer Fehlgeburt nach einer künstlichen Befruchtung leicht höher als nach einer normalen Empfängnis. Nicht jede künstliche Befruchtung führt zu einer Schwangerschaft, nicht jede Schwangerschaft zu der Geburt eines gesunden Kindes. Die seelische Belastung in dieser anstrengenden Zeit darf daher nicht unterschätzt werden. 

Ein weiteres Risiko ist nicht gesundheitlich, sondern finanziell. Die Kosten für die künstliche Befruchtung müssen in der Schweiz von dem Kinderwunsch-Paar komplett selbst getragen werden.

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