Unerfüllter Kinderwunsch (Teil 1)«Erst wenn ich ein Kind in meinen Armen spüre, bin ich eine richtige Frau»

Anabela Fürer entschied sich mit 27 Jahren, eine Familie zu gründen. Nach vielen Versuchen, natürlich schwanger zu werden, hat Sie eine Adoption und medizinische Hilfe in Erwägung gezogen. Heute ist die 38-jährige Mutter von zwei Kindern. Sie erzählt uns ihre ganz eigene, persönliche Geschichte.

Porträt Anabela Fürer Teil 1

«Eine Sehnsucht nach einer Liebe, die man nicht kennt, bevor man sie nicht erlebt hat. Eine tiefe Liebe», so beschreibt der heutige Kinderwunschcoach Anabela Fürer, was für Sie der Wunsch nach Kindern bedeutet. Anabela begleitet Menschen mit einem unerfüllten Kinderwunsch. Sie kennt den langen, harten Weg, schwanger zu werden. Dennoch liess sie keine Möglichkeiten aus, um ihren Traum Mami zu werden, zu erfüllen.

Der erste Versuch schwanger zu werden

Anabela und ihr Mann haben entschieden, bevor sie 30 werden, ein Kind zu bekommen. Alles begann damit, dass Anabela die Pille absetzte. Sie berechnete ihre fruchtbaren Tage mit einem Zyklusrechner, der Monat für Monat anzeigen kann, wann der Eisprung stattfindet. Gleichzeitig hat Anabela die Basaltemperatur genutzt, um die besten Tage für ihre Empfängnis zu messen. Mit dieser Methode misst man die Körpertemperatur, die kurz vor dem Eisprung steigt.

Ich bekam eine innerliche Unruhe und Angst. Was ist, wenn es nie funktioniert? sagt Anabela Fürer.

Ein Jahr lang hat Sie so versucht, schwanger zu werden, ohne Erfolg. Um abzuklären, ob es körperliche Gründe gibt, haben sie und ihr Mann beim Arzt mehrere Tests durchgeführt: Ihr Mann hat sich einem Spermiogramm unterzogen. Dabei wird die Spermaqualität und die Menge der Spermien ermittelt. Anabela hat eine Eileiterspülung, zur Feststellung der Durchgängigkeit der Eileiter, sowie ein Bluttest gemacht, um zum Beispiel ein Gendefekt aufzuspüren. Die Tests ergaben, dass Anabela und ihr Mann gesund seien. «Ihr seid noch jung, probiert es einfach weiter», meinten die Ärzte.

Ein weiteres Jahr zwischen Hoffen und Bangen beginnt: «Ich bekam eine innerliche Unruhe und Angst. Was ist, wenn es nie funktioniert?» In Anabelas Umfeld wurden viele schwanger, sie nicht: «Ja, ich war eifersüchtig.» Zusätzlich kam der Druck von aussen. Die ständigen Nachfragen, zerrten an ihren Nerven:  Wann ist es so weit? Habt ihr euch das gut überlegt? «Irgendwann hatte ich genug, mich jedes Mal erklären zu müssen. Ich wusste ja selbst nicht, warum es nicht funktioniert», sagt Anabela.

Mit einer Kinderwunschbehandlung die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen

Sie liess sich nicht entmutigen und dachte, dass es noch einen anderen Weg geben müsse. 2009 wollten Anabela und ihr Mann sich nochmals untersuchen lassen. Dafür gingen sie ins Fiore, dem Fachinstitut für Reproduktionsmedizin in St. Gallen. Dort erhielt sie wieder die gleiche Antwort: «Es ist alles in Ordnung.» Dennoch wurden ihnen weitere Möglichkeiten angeboten. Gleich zweimal hat Anabela versucht mit medizinischer Hilfe schwanger zu werden. Mit einer Insemination wurden ihr Spermien des Partners in die Gebärmutter eingeführt. Eine zweite Behandlung war die Hormontherapie, bei der Tabletten eingenommen werden, um die Fruchtbarkeit zu erhöhen.

Zur Person

Anabela Fürer ist 38, Kinderwunschcoach, Ehefrau und Mami von zwei Kindern. Seit 2016 arbeitet die gebürtige Portugiesin für kinderwunschcoach.ch als Geschäftsführerin in der Praxis in Rorschach. Sie begleitet Menschen, die mit einem unerfüllten Kinderwunsch zu kämpfen haben. Sie hilft ihnen, mit der Situation umzugehen und schaut, was es für Möglichkeiten gibt, den Kinderwunsch zu erfüllen.

Als auch diese Kinderwunschbehandlungen scheiterten, kam Anabela an ihre psychischen und physischen Grenzen. «Ich war niedergeschlagen. Das Schlimmste am Ganzen war das Warten auf das Schwangerschaftsergebnis und die körperlichen Eingriffe», sagt sie.

Anabelas Mann habe sie unterstützt und immer motiviert, dass es das nächste Mal klappen werde. «Er konnte etwas besser Abstand nehmen als ich, weil er das körperlich nicht durchmachen musste.» Anabela fing an, Fehler bei ihrem Partner zu suchen und sich selbst Vorwürfe zu machen: «Es hat sich angefühlt wie eine Niederlage. Ich sagte mir: Ich bin unfähig. Es bereitete mir Mühe, sehen zu müssen, dass ich alles steuern kann, ausser meinem Körper zu sagen, dass er schwanger werden soll.» Die Partnerschaft litt.

Um wieder Kraft zu tanken und Zeit als Paar zu verbringen, gingen Anabela und ihr Mann nach Portugal in die Ferien. Ihr Mann und sie sassen zusammen und sprachen darüber, ob sie wirklich beide Kinder haben müssen oder auch ohne Kinder glücklich sein könnten. Ihre Antwort war: «Nein, ich glaube meine Aufgabe im Leben liegt darin, dass ich eines Tages Mutter bin. Erst wenn ich ein Kind in meinen Armen spüre, bin ich eine richtige Frau.» Wenn der Kinderwunsch nur einseitig gewesen wäre, wären Sie und ihr Mann vermutlich getrennte Wege gegangen, sagt sie.

Wie die Geschichte von Anabela Fürer weitergeht und wie Sie durch eine Adoption ihrem Kinderwunsch näher kommt, lesen Sie im 2. Teil.

Von Melina Maerten, Titelbild: zVg

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