BabytragetuchWas Sie zum Tragetuch wissen müssen

Für die einen ist es ein langes Stoffband mit Knotengarantie, für die anderen eine unverzichtbare Hilfe im Alltag. Was für das Babytragetuch spricht – und welche Gründe dagegen.

Das Babytragetuch: vielseitig, praktisch und gesund 
Für viele Babys der beste Platz der Welt: im Tragetuch von Mama. © iStock / Getty Images Plus

Überall auf der Welt werden seit jeher Babys von ihren Eltern getragen. Stubenwagen und Kinderbett sind erst seit kurzer Zeit in den Familienalltag eingezogen. Der Kinderwagen hat erst vor gut 200 Jahren einen Platz in unserer Gesellschaft gefunden.

Doch die Babys die ganze Zeit auf dem Arm zu tragen, ist beschwerlich. Arme und Rücken der tragenden Eltern leiden – genau wie die gesamte Haltung. Genau daran setzen die seit den 70er Jahren entwickelten Babytragetücher an.

6 Vorteile von Babytragetüchern

Babys werden als Traglinge geboren. Werden sie hochgehoben, helfen sie mit. Sie bauen Körperspannung auf und ziehen ihre Beinchen an. «Nur das Tragetuch bietet in den ersten Wochen die absolute, individuelle, anatomisch korrekte Anpassung und Anschmiegung des Babys an den Körper der Eltern», schreibt die Schweizer Physiotherapeutin Beate Westdickenberg. Und hat gute Gründe dafür.

1. Direkt nach der Geburt benutzen

In den Tragetüchern am Bauch der Mutter sind die Neugeborenen gut aufgehoben. In den Tuchbahnen fest verpackt werden auch Kopf und Nacken gut stabilisiert. Da es ganz ohne Gurte, Schnallen und sonstige Extras auskommt, kann es immer perfekt nah an den Körper gebunden werden. Für andere Tragesysteme müssen sich Eltern einige Monate gedulden, da die Kopf­stütze nicht genug Halt gibt.

2. Vielseitiger Einsatz

Im Unterschied zu anderen Tragehilfen sind Babytragetücher besonders vielseitig. Je nach Vorlieben und Alter des Kindes können verschiedene Bindeweisen angewendet werden, wobei sich das Tragetuch immer an den Körper des Tragenden anpasst. Zudem sind verschiedene Modelle von Tragetüchern auf dem Markt: Ringsling, gewobenes Tragetuch, elastisches Tragetuch, MeiTai, Halfbuckle und Fullbuckle.

3. Nähe und Körperkontakt

Der sicherste Ort der Welt für ein Baby ist nah am Körper der Eltern. Im Tragetuch hört es den Herzschlag von Mutter und Vater, hat engen Körperkontakt und baut eine innige Beziehung auf. Das Kind kann selbst entscheiden, ob es das Geschehen mitverfolgt, oder sich im Schutz des Tuches zurückzieht und an der Brust der Mutter einschläft. Diese sichere Bindung ist die beste Basis für ein gesundes Selbstvertrauen und die Entwicklung des Kindes.

4. Praktisch im Alltag

Im Tragetuch ist das Baby immer dabei und gleichzeitig haben Mutter oder Vater die Hände frei, um anderen Beschäftigungen nachzugehen. Durch die ständige Bewegung, den Druck und die Reibung lernen die Babys ständig neue Reize kennen.

5. Überall mobil

In öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tragetuch weitaus praktischer als ein Kinderwagen, besonders beim Ein- und Aussteigen. Auch in unwegsamem Gelände, wie zum Beispiel am Strand oder bei kleinen Wanderungen, punktet das Tragetuch gegenüber dem Kinderwagen.

5. Rückentrainig

Durch das Schaukeln im Tragetuch wird das Wachstum der kindlichen Rückenmuskulatur angeregt. Doch auch beim Tragenden wird durch den «Sport» die Rückenmuskulatur gestärkt. Allerdings sollten die Positionen gewechselt werden, damit das Kind nicht immer am Bauch die Wirbelsäule des Tragenden belastet. Eine gute Alternative, auch für Menschen mit Hohlkreuz und schwacher Rückenmuskulatur ist das Kind auf der Seite zu tragen. Denn auf dem Beckenkamm wird das Gewicht verringert. Das Kind sollte mit gespreizten Beinen sitzen, um die Wirbelsäule zu entlasten. Können die Kinder ihren Kopf sicher alleine halten, ist auch die Rückentrage möglich.

Tipps zum Tragen

  • Das Kind eng an sich binden, damit das Gewicht gut auf den Elternrücken verteilt wird und das Kind nicht in sich zusammenfällt.
  • Den Kopf gut stabilisieren und so hoch positionieren, dass der Kopf geküsst werden kann.
  • Die Beine des Kindes in starke Hockstellung bringen und leicht spreizen.
  • Das Gesicht des Kindes blickt immer zur tragenden Person.

6. Entwicklung der Hüfte

Ist das Tragetuch richtig gebunden, nimmt das Baby die anatomisch korrekte Spreiz-Anhock-Haltung ein. Bei der sogenannten Froschhaltung hat der Oberschenkelkopf eine anatomisch günstige Position in der Hüftgelenkpfanne. Dadurch wird ganz natürlich die Verknöcherung der Hüfte unterstützt und die stützenden und haltenden Muskeln gekräftigt. Einer Hüftdysplasie, einer Fehlbildung am Hüftgelenk, wird so vorgebeugt.

Nachteile von Babytragetüchern

Gewusst wie: Die richtige Technik ist beim Tragetuch entscheidend. (Bild: Halpoint/iStock, Thinkstock)

1. Komplizierte Technik

Anfangs muss die richtige Bindetechnik geübt werden. Das lange Tuch richtig zu händeln, ist zu Beginn ganz schön kniffelig. Drei Anleitungen zeigen Ihnen wie Sie Schritt für Schritt das Tuch binden. Die richtige Technik ist wichtig, damit Kopf und Nacken richtig gestützt werden, das Kind genug Luft bekommt und die Sitzposition einnimmt. Das Gewicht muss gut ausbalanciert sein, sonst kommt es beim Tragenden zum Beispiel zu einer einseitigen Belastung der Wirbelsäule.

2. Hitzeattacken

Das Baumwolltuch ist dick gewebt, damit es stabil ist. Zusammen mit der Körperwärme des Kindes und der eigenen Kleidung kann es ganz schön warm werden – nicht nur für das Baby. Zusätzlich haben Mütter in den ersten Monate noch mit der Hormonumstellung und Hitzeattacken zu kämpfen. Die Kleidung von Kind und Tragendem sollte also gut bedacht werden. Laut pro juventute sind Babys meist zu warm als zu kalt angezogen. Deshalb gilt beim Tragetuch: lieber eine Stoffschicht weniger.

3. Rückenschmerzen

Trageberatung

Vereine, Geschäfte mit Babyausstattung und öffentliche Beratungsstellen bieten Trageberatungen für Eltern an. So zum Beispiel die Mütter und Väterberatung in der ganzen Schweiz aktiv und in Winterthur findet regelmässig ein Tragekafi statt.

Mütter leiden häufig unter Rückenschmerzen. Bedingt durch die Schwangerschaft wurde das Gewebe lockerer, dadurch können auch Bandscheiben und andere Beckenstrukturen nicht mehr gut genug gefestigt sein. Zudem fehlt nach der Geburt die Bauchmuskulatur. Diese muss er langsam wieder aufgebaut werden, wobei die Rückbildungsgymnastik hilft. Das Gewicht im Babytragetuch wird dann zu einer zusätzlichen Belastung.

4. Kaiserschnitt

Beim Kaiserschnitt werden mehrere Gewebeschichten durchtrennt und es dauert, bis die Wunde innen wie aussen gut verheilt ist. Das Gewicht des eigenen Kindes zu tragen, ist nach der Operation möglich. Doch Tragesysteme wie Gurte und Tücher können auf der Narbe drücken und Schmerzen verursachen. Da das Baby immer sehr weit oben am Oberkörper getragen werden sollte – in Kopf-Kuss-Höhe –  wird das Tuch vor allem am Anfang überhalb der Narbe am Bauch anliegen.

Das Tragetuch nach dem Kaiserschnitt zu verwenden ist generell möglich, inbesondere mit elastischen Tragetüchern oder dem Glückskäfer-Tragesack ohne Hüftgurt. Mit dem Tuch ist die Kängurubindeweise gut geeignet, da der Knoten bei  oberhalb der Narbe sitzt und sich das Gewicht des Babys auf die Schultern und über das Stoffkreuz auf dem Rücken verteilt. Dadurch werden Narbe und Bauch geschont. Jedoch muss jede betroffene Frau individuell entscheiden, wie sie sich dabei fühlt.

Worauf Sie beim Kauf von Tragetüchern achten sollten

Länge, Material und Preis sind beim Kauf entscheidend. Ebenso das Gewicht des Kindes für das die Tücher ausgerichtet sind. Dieses liegt meist zwischen drei und 15 bis 20 Kilogramm. Das Tragetuch kann demnach lange verwendet werden, mindestens zwei Jahre. 

Zudem sollte das Tragetuch lang genug sein, damit es Mann und Frau bequem binden können. Die optimale Länge liegt je nach Bindeweise und Körpergrösse zwischen 4,7 und 5,2 Metern.

Tragetücher im Vergleich

Hersteller von Tragetüchern sind u.a. Manduca, Didmos, Ergobaby und Storchenwiege. Ökotest hat Tücher und Tragen verglichen – mit eine klaren Ergebnis.

Auch beim Stoff gibt es grosse Unterschiede. Viele Hersteller setzen auf 100 Prozent Baumwolle, auch Biobaumwolle. Diese halten auch im Winter schön warm. Es gibt auch Tücher aus Leinen oder Hanf, die im Sommer angenehm luftig sind.

Je nach Webart sind die Tücher fester oder elastischer. Ist es kreuzkörpergewebt. Leiert es weniger aus. Auch sollte es sich leicht reinigen lassen, am besten in der Waschmaschine, denn der vielgenutzte Alltagsgegenstand wird stark beansprucht werden.

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