Gut gewickeltStoffwindeln: Die wichtigsten Vor- und Nachteile

Von wegen altmodisch und unpraktisch. Die modernen Stoffwindeln sind ihren Vorgängern, den alten Mullwindeln, weit voraus. Doch trotz vieler Vorteile haben sie auch kleine Schwächen.

Mullwindeln oder andere Stoffwindeln kaufen? 

Vieles scheint gegen die Mullwindeln zu sprechen. Zu zeitaufwändig, kompliziert und zu teuer sei das Wickeln mit Stoff, so gängige Vorurteile. Ausserdem sei es ekelig, die benutzten Windeln immer auszuwaschen und in Eimern mit Wasser bis zum nächsten Waschmaschinengang zu sammeln. Viele Eltern sagen dann zu Recht: «Die Wegwerfwindel ist ein grosser Fortschritt.»

Auch wissen viele junge Eltern gar nicht mehr, wie genau die Mullwindeln gewickelt werden müssen. Die verschiedenen Falttechniken für die grossen Mulltücher oder Strickwindeln sind anfangs kniffelig. Darüber werden noch Woll- oder Gummihosen angezogen. So ist der kleine Popo vom Baby am Ende ein dickes Paket, das vielleicht gar nicht mehr in die heutigen Kleidungsstücke für Babys, wie die enge Jeans, passt.

«4000-6000 Windeln produziert ein Kind in seiner Windelzeit» (Geburtshaus Delphys)

Aber sind die althergebrachten Stoffwindeln so nachteilig? Schliesslich sind Generationen von Kindern mit ihnen aufgewachsen und da gab es noch gar keine Waschmaschine. Die Wegwerfwindel ist erst seit 1961 auf dem Markt.

Was für die Stoffwindeln spricht

Stoffwindeln verschiedenen Farben.
Umweltfreundlich: Die Stoffwindeln können gewaschen und wiederverwendet werden. (Bild: kasjato/iStock, Thinkstock)

In den vergangenen Jahren hat sich das Design der Stoffwindeln stark gewandelt und vor allem sind sie einfacher in der Handhabung geworden. Geschnitten wie die Höschenwindeln, werden sie über Druckknöpfe in der Grösse verstellt und passen sich der Körperform perfekt an. Auch sind sie nicht teuer: Werden die Anschaffungskosten auf die drei bis vier Jahre berechnet, in der die Windeln verwendet werden, relativiert sich der Preis. Stoffwindeln sind sogar günstiger als die Einweg-Konkurrenz.

Das Umweltbewusstsein wächst, auch bei den Eltern. Die riesigen Müllberge, verursacht durch Einwegwindeln, sind eins von vielen wichtigen Argumenten, wieder mit Stoff zu wickeln. «Leiste einen Beitrag für die Umwelt, spare Geld und wickel den Babypo Deines Kindes künftig in Stoff anstatt in Plastik! 1,5 Tonnen Windelmüll oder 4000 bis 6000 Windeln produziert ein Kind in seiner Windelzeit», heisst es auf der Webseite des Geburtshauses Delphys in Zürich.

Stoffwindel-Systeme im Überblick

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, das Baby sicher zu wickeln. Das Forum Naturwindeln gibt Auskunft über die gebräuchlichsten Systeme mit Anleitung für jede Windelart.

  • Faltwindeln aus Mulltüchern: Nur für die ersten Monate geeignet
  • Bindewindeln und Strickwindeln: Hoher Aufwand zum Anlegen und Waschen durch die Bänder
  • Einlagewindel mit Kletthose: Einlage wird mit gut sitzender Überhose am Körper gehalten
  • Windelhösen mit Gummibündchen, Klettverschluss oder Druckknöpfen

Auch die Haut des Kindes ist für weiche Stoffe dankbar. Wegwerfwindeln sind in der Regel mit Kunststoff überzogen, aus dem sich bei Kontakt mit Urin Chemikalien lösen. Diese kommen vor allem an den Beinbündchen in Kontakt mit der Babyhaut. Hautreizungen sind die Folge. Natürliche Materialen wie Baumwoll-, Hanf- und Bambuswindeln enthalten keine Kunststoffe und sind oft aus biologischen Rohstoffen hergestellt.

Ein weiterer Grund für das Wickeln mit Stoff: Kinder werden häufig mit einer unreifen Hüfte geboren, die Gelenke müssen sich erst noch entwickeln. «Wird mit Stoff gewickelt, kann die durch die Wickeltechnik bedingte Beinstellung die Hüftreifung begünstigen», sagt die Hebamme Beatrice Prader.

Hebammen unterstützen es, wenn Eltern Stoffwindeln kaufen oder mit Mullwindeln aus der eigenen Kindheit wickeln wollen. Die Beratung lohnt sich, denn neben den unterschiedlichen Stoffen und Windelsystemen werden auch die verschiedenen Wickeltechniken besprochen.

Die Nachteile der Stoffwindeln

Benutzte Windeln riechen, und das ist auch bei den Windeln aus Stoff so. Die Stoffwindeln lassen sich in der Waschmaschine hygienisch reinigen, aber es sind zwei bis drei Waschgänge extra jede Woche nötig. Diese müssen natürlich auch in die Umweltbilanz dieser Windelvariante eingerechnet werden. 

Dazu müssen die Windeln getrocknet und gefaltet werden. Ein gewisser Extraaufwand ist bei Stoffwindeln also nötig. Eltern, denen es wichtig ist, dass die Windeln keine Schadstoffe beinhalten, sollten auch bei Stoffwindeln genau hinschauen. Auch bei diesen ist eine ökologische Herstellung nicht vorausgesetzt, es kommt auf die Firma an. 

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Publiziert von der Redaktion, Titelbild: Getty Images-pekkak

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