Liebes Gewebe, bitte werd weicher! Die 34. Schwangerschaftswoche

Das Gewebe macht bei der Geburt ganz schön viel mit. Doch mit der richtigen Vorbereitung können Sie es schützen. Die 34. SSW ist der beste Zeitpunkt, um mit Dammmassage und Himbeerblätterteee zu beginnen. 

So entwickelt sich Ihr Baby

Zweite Woche im neunten Monat: Das Baby ist jetzt rund 2250 Gramm schwer und 45 Zentimeter gross. Das Immunsystem wird widerstandsfähiger und rüstet sich für die Abwehr von Krankheiten nach der Geburt. Dafür sind vor allem Antikörper aus dem Blut der Mutter verantwortlich. Nach der Geburt versorgt die Muttermilch das Kind mit weiteren Antikörpern, bis es diese selbst bilden kann.

Die Lunge reift in dieser Woche sehr schnell. Die Adrenalindrüsen setzen dafür Cortisol frei, und zwar zehnmal so viel wie bei einem Erwachsenen. Das Hormon regt wiederum die Produktion von Surfactant an. Dies ist ein Lipid, das von den Schleimhäuten der Lunge hergestellt wird. Da es die Lungenbläschen mit einem dünnen Film überzieht, verhindert es das Zusammenfallen der Lungenflügel beim Ausatmen.

Würde das Baby in dieser Woche geboren, müsste es wahrscheinlich einige Tage oder Wochen beatmet werden. Vor der 34. Schwangerschaftswoche geboren, bekommen die Früchen eine Kortisoninjektion, welche die Bildung von Surfactant anregt. Nach der 36. Woche können die Kleinen fast immer schon alleine atmen. Ab der 34. Woche wird Surfactant in ausreichender Menge gebildet. Mit der vollendeten 34. Schwangerschaftswoche hat Ihr Baby also wieder eine grosse Hürde gemeistert.

Grösse und Gewicht des Babys

45
cm
2250
g

Ihr Baby spürt nun genau, ob Sie sitzen, stehen oder liegen. Leider fällt sein Bedürfnis nach Ruhe selten mit Ihrem zusammen. Das Gestrampel beginnt häufig, sobald Sie sich einmal hinlegen. Dies hat auch einen Vorteil: So können Sie das Bewegungsmuster Ihres Kindes gut beobachten. Veränderungen sind kein gutes Zeichen. Ist es plötzlich merkwürdig still im Bauch, sollte das schnell untersucht werden, um eine Unterversorgung des Babys auszuschliessen.

In der Regel haben Babys im neunten Monat einen eigenen Schlaf- und Wachrhythmus. Sie schlafen eine knappe Stunde und sind danach wieder genauso lange wach. Doch auch im Schlaf bewegen sie sich und unter den geschlossenen Augenlidern rollt der Augapfel. Sie träumen. Wissenschaftler nennen diese Phase die «REM-Phase» in Bezug auf das Rapid Eye Movement.

Um die 34. Woche drehen sich die meisten Kinder in die Geburtsposition. Der Kopf liegt dabei unten im Becken. Ist die Drehung noch nicht geschafft, bleibt noch Zeit bis zur 36. Woche, beim zweiten Kind sogar noch länger. Nur selten bleibt das Baby in der ungünstigen Beckenendlage bis zur Geburt. Hebammen und Ärzte können jetzt auch noch versuchen, das Kind zu wenden. Gelingt das nicht, planen heute viele Kliniken einen Kaiserschnitt, um Komplikationen für Mutter und Baby zu vermeiden. Dieser findet meist in der 38. SSW statt.

Die 34. Schwangerschaftswoche

Ihr Körper in der 34. SSW

Hmm, so fein, diese Himbeeren! Doch in dieser Woche geht es nicht um die Frucht, sondern um die Blätter der Himbeere. Dank ihrer Blätter zählt die Himbeere zu den alten Heilpflanzen für Frauen. Ihnen wird nachgesagt, dass sie den Körper entgiften, die Muskulatur lockern und den Muttermund weicher machen. Hebammen empfehlen deshalb, ab der 34. Woche täglich drei bis vier Tassen Himbeerblättertee zu trinken. Wissenschaftlich bewiesen ist die Wirkung des Tees nicht. Aber die Erfahrungswerte sprechen für sich. Schwangere mit frühen Wehen oder einem leicht geöffneten Muttermund sollten den Tee deshalb nicht oder nur mit grosser Vorsicht geniessen.

Es gibt noch einen zweiten Hebammentipp, um sich gut für die Geburt vorzubereiten: die Dammmassage. Der Damm ist das Gewebe zwischen Scheide und After. Durch die Dammmassage wird das Gewebe geschmeidig und dehnbar. Je weicher es ist, umso geringer ist das Risiko für einen Dammriss oder Dammschnitt während der Geburt. Denn wenn das Köpfchen des Babys geboren wird, ist der Damm einem massiven Druck ausgesetzt. Massieren Sie den Damm drei- bis viermal wöchentlich mit einem hochwertigen Öl. Wenn Sie die Massage nach einem Bad durchführen, ist Ihr Gewebe besser durchblutet und weich. Ganz wichtig dabei: Sie dürfen keine Schmerzen haben!

Tipps für diese Woche

  • Mit der Dammmassage starten: Hier geht's zur Massage-Anleitung
  • Himbeerblättertee besorgen
  • Kalziumreiche Lebensmittel essen: Orangen, Milch, Milchprodukte, Nüsse, Mandeln

Da Ihr Baby immer noch fleissig zunimmt, schaffen Sie es nicht mehr, normale Portionen zu essen. Aber Essen ist trotzdem wichtig. Und nicht, um Ihre Energiereserven auszufüllen. Gerade jetzt braucht das Baby für die Knochenaushärtung viel Kalzium. Gute Kalziumlieferanten sind unter anderem Milchprodukte, Hülsenfrüchte und Tofu.

Viele Frauen spüren in diesen Wochen ein Ziehen an der Gebärmutter. Das sind wahrscheinlich die «Braxton-Hicks-Kontraktionen». Benannt wurden sie nach dem englischen Geburtshelfer John Hicks, der sie im 19. Jahrhundert zum ersten Mal beschrieben hat. Diese schmerzfreien Kontraktionen beginnen am Fundus, dem oberen Gebärmutterrand. Dann ziehen sie sich die Gebärmutter hinunter, wobei sich diese etwa 30 Sekunden verhärtet. Dadurch trainiert die Gebärmutter für die Geburt. Die Kontraktionen verbessern nebenbei auch die Durchblutung der Plazenta. Während manche Frauen sie gar nicht wahrnehmen, sind sie für andere sehr stark und nur schwer von Vorwehen zu unterscheiden. Im Zweifelsfall wenden Sie sich direkt an Ihre Hebamme. Je länger die Kontraktionen anhalten, umso höher wird die Gefahr einer Frühgeburt.

Unvermeidbar wird eine Frühgeburt, wenn die Fruchtblase vorzeitig platzt. Das kommt jedoch nur in 15 Prozent der Schwangerschaften vor. Ein Teststreifen oder eine Probe für den Arzt bringen Sicherheit, ob es sich um Urin oder wirklich um Fruchtwasser handelt. Ist es zweiteres, erhöht sich die Infektionsgefahr für Mutter und Baby. Wenn in den nächsten 24 Stunden keine Wehen einsetzen, wird in der Regel die Geburt eingeleitet. Vorausgesetzt, Sie sind mindestens in der 34. Schwangerschaftswoche.

Überhaupt ist die Fruchtwassermenge ein wichtiger Indikator für das Wohlbefinden des Babys. Sie gilt als Indikator, dass die Nieren und der Stoffwechsel des Babys funktionieren. Die Menge wird bei Ultraschalluntersuchungen regelmässig bestimmt. Dabei wird die Tiefe der Flüssigkeit gemessen, die sich um das Baby herum befindet. Ein Mangel ist immer ein ernstes Zeichen. In manchen Fällen ist sogar eine rasche Entbindung notwendig.

Publiziert von der Redaktion

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