Notfall, geplant oder gewünschtWenn das Baby via Kaiserschnitt zur Welt kommt

Kaiserschnitt oder normale Geburt? In der Schweiz beträgt die Kaiserschnittrate mittlerweile über 30 Prozent. Wann die Operation infrage kommt und wie sie abläuft.

Notfall, geplant oder gewünscht: der Kaiserschnitt
Die Kaiserschnittnarbe ist noch lange sichtbar. © iStock / Getty Images Plus

Für einen Kaiserschnitt kann es zahlreiche medizinische Gründe geben: ein vorzeitiger Blasensprung oder eine Infektionskrankheit bei der Mutter, die Grösse des Kindes im Verhältnis zum Becken der Mutter sowie ein unterschiedlicher Rhesusfaktor bei Mutter und Kind. Auch der gesundheitliche Zustand oder die Lage des Kindes sind für die Entscheidung über die Art der Geburt ausschlaggebend.

Kaiserschnitt auf Wunsch

Das Wichtigste in Kürze

  • Kaiserschnitte werden nicht nur in Notfällen durchgeführt, sondern auch geplant oder auf Wunsch der Gebärenden.
  • Der Kaiserschnitt erfolgt mit örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose.
  • Die Wundheilung und Erholungsphase nach einem Kaiserschnitt dauert mehrere Wochen.
  • Auch bei Kaiserschnitten ist das Bonding direkt nach der Geburt möglich.

Viele Frauen entscheiden sich aus privaten Gründen für einen Wunschkaiserschnitt. Ob Kaiserschnitt oder normale Geburt – dies sollte allein die Entscheidung der Schwangeren sein. Jedoch ist es wichtig, vorher gut über die Komplikationen eines Kaiserschnitts sowie dessen Ablauf informiert zu sein.

Nach einem Bauchschnitt wie dem Kaiserschnitt, der einige Gewebsschichten betrifft, dauert es mehrere Wochen, bis sich die Frau erholt hat und frei von Schmerzen ist. Für diese Zeit ist die frisch gebackene Mutter auf viel Unterstützung angewiesen. Denn in den ersten Tagen bis Wochen wird sie physisch nicht in der Lage sein, sich allein um das Baby zu kümmern.

Ablauf eines Kaiserschnitts

Beim Kaiserschnitt muss der Ablauf gut geplant sein. Denn es handelt sich dabei um einen operativen Eingriff, bei dem zuerst die Bauchdecke, dann die Gebärmutter geöffnet wird. Deshalb ist für einen geplanten Kaiserschnitt immer ein Beratungsgespräch im Geburtsspital nötig.

Vor dem Schnitt wird eine Periduralanästhesie, kurz PDA, angelegt. Dies ist eine örtliche Betäubung und wird über eine Rückenmarkspritze (Spinalanästhesie) durchgeführt. Eine Vollnarkose kommt heute nur noch bei Notfällen vor. Eine hochgespanntes Tuch über dem Oberkörper der Frau schützt sie vor dem Anblick der Operation an ihrem Unterleib im OP-Saal.

Nachdem die Ärzte das Kind aus der Gebärmutter entnommen haben, lösen sie die Plazenta heraus. Anschliessend müssen sowohl Gebärmutter als auch alle Bauchschichten vernäht werden. Das kann einige Minuten dauern, meist länger als der Schnitt und die Geburt. 

Mutter und Baby halten eine starke Bindung.
Willkommen auf der Welt! Neugeborenes mit seiner Mutter. (Bild: Handemandaci / E+)

Bonding direkt nach der Geburt möglich

Früher, als Kaiserschnitte nur unter Vollnarkose der Patientin durchgeführt wurden, lernten sich Mutter und Kind erst Stunden nach dem Eingriff kennen. Dank der Möglichkeit zur örtlichen Betäubung ist der erste Körperkontakt zwischen den beiden direkt nach der Geburt möglich. Die Mutter kann das Kind direkt an die eigene Brust nehmen. Dick eingepackt, denn im OP-Saal ist es ziemlich kalt.

Weitere Informationen

Mehr zum Thema Kaiserschnitt bietet die Infobroschüre des Schweizerischen Hebammenverbands.

Meist übernehmen aber die Väter das Bonding. Sie nehmen das Kind entgegen, sobald es aus dem Bauch gehoben worden ist. Nach dem Wiegen, Messen und vielleicht anderen nötigen Untersuchungen warten Vater und Baby im gemütlich warmen Gebärsaal auf die Mutter.

Nach der örtlichen Betäubung kann das Baby sofort an der Brust gestillt werden. Nach einer Vollnarkose wird das Baby im Aufwachraum erstmals zum Stillen an die Brust der Mutter gelegt.

Das sogenannte Bonding stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind, wird aber nicht in jedem Spital direkt nach der Geburt gewährleistet. Wenn Sie Ihr Baby gleich nach der Geburt sehen und spüren möchten, können Sie in Infoveranstaltungen in Erfahrungen bringen, welcher Stellenwert das Bonding in Ihrem Spital hat. Oder im Gespräch mit dem Oberarzt Ihren Wunsch mitteilen.

Publiziert von der Redaktion

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