Gut zu wissenMutterschutz in der Schweiz: Was für Regeln gelten

Schwangere Frauen haben durch den Mutterschutz in der Schweiz besondere Rechte, die Gesundheit von Kind und Mutter schützen sollen. Erfahren Sie hier, wie Arbeitszeit, Kündigung und Arbeitsunfähigkeit geregelt sind.

Mutterschutz in der Schweiz: Ihre Rechte 

Im Rahmen des Mutterschutzes wird zum Schutz der Gesundheit der werdenden Mutter Sorge getragen. Das bedeutet unter anderem, dass Schwangere keine Arbeiten verrichten müssen, die als gefährlich gelten, heisst es in der Broschüre des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO. Insgesamt sind alle Tätigkeiten verboten, die sich auf die Gesundheit des Kindes auswirken könnten. Ist die Arbeit unzumutbar, muss der Arbeitgeber eine Ersatzarbeit finden oder schützende Massnahmen einleiten.

Mutterschutz in der Schweiz: Regelungen der Arbeitszeiten

Der Mutterschutz in der Schweiz beschränkt die Arbeitszeit von Schwangeren auf eine Zeit von maximal neun Stunden am Tag. Neben der Arbeitsspanne reguliert der Mutterschutz zudem die Arbeitszeiten. So dürfen Schwangere aus rechtlicher Sicht Arbeitszeiten zwischen 20 Uhr und 6 Uhr in der Nacht verweigern. Arbeitgeber müssen ihnen Arbeitszeiten am Tag erlauben. Kurz vor dem Ende der Schwangerschaft ist es Schwangeren verboten, in dieser Zeitspanne zu arbeiten.

Schwangere Frauen dürfen im Rahmen des Schweizer Arbeitsrechts zudem während der Schwangerschaft nach Hause gehen oder zu Hause bleiben. Sie müssen lediglich den Arbeitgeber informieren. Allerdings ist ihr Arbeitgeber dazu berechtigt, ihren Urlaub zu reduzieren, wenn sie länger als zwei Monate keine Arbeit verrichtet. In dieser freien Zeit erhalten Schwangere keinen Lohn. 

Rechtslage vom Mutterschutz in der Schweiz.
Die Arbeitszeiten während der Schwangerschaft sind klar geregelt. (Bild: fizkes/iStock, Thinkstock)

Lohnfortzahlung bei Krankheit

Einen Anspruch auf Bezahlung haben Schwangere jedoch, wenn sie ein Attest vorlegen können, um das Fernbleiben mit eingeschränkter Gesundheit zu beweisen. Dies bei Krankheit oder aufgrund von Schwangerschaftsbeschwerden. Solch eine Lohnfortzahlung kommt infrage, wenn die werdende Mutter innerhalb eines unbefristeten Verhältnisses beschäftigt ist und bereits drei Monate in dem Betrieb tätig war. In der Regel liegt die Lohnfortzahlung in den ersten 12 Anstellungsmonaten bei etwa 3 Wochen. Bei einer längeren Beschäftigung erhöht sich die Zeit. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Schwangere dürfen maximal 9 Stunden am Tag arbeiten.
  • Bei Arbeitszeiten von 20 Uhr bis 6 Uhr sowie bei gefährlichen oder beschwerlichen Arbeiten müssen Alternativen geboten werden.
  • Während der Schwangerschaft sowie bis 16 Wochen nach der Geburt haben Frauen Kündigungsschutz.

Um Schwangeren die Arbeit zu erleichtern, müssen Arbeitgeber ihnen zudem geeignete Rückzugsmöglichkeiten anbieten. Dazu gehört zum Beispiel die Bereitstellung einer Liege. Eine ähnliche Regelung gilt ebenfalls für Stillende. Sie soll betroffenen Frauen eine Option zum Ausruhen geben.

Mutterschutz Schweiz schützt vor Diskriminierung

Eine Benachteiligung von Schwangeren soll durch das Arbeitsrecht während der Schwangerschaft in der Schweiz verhindert werden. Sie tritt beispielsweise in Kraft, sobald Frauen aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht eingestellt werden. Frauen müssen während eines Vorstellungsgespräches nicht darüber sprechen, ob sie schwanger sind oder sich Kinder wünschen. Bei gefährlichen Arbeiten, beispielsweise mit giftigen Stoffen, ist es aber sinnvoll, dem Arbeitgeber Bescheid zu sagen.

Während der Schwangerschaft, sowie bis 16 Wochen nach der Geburt, ist eine Kündigung nicht rechtmässig. Laut dem Gesundheitsmagazin Beobachter haben Schwangere einen Anspruch auf eine Entschädigung oder einen Lohn, wenn der Betrieb sogar geschlossen wird. Der Kündigungsschutz gilt allerdings noch nicht während der Probezeit.

Mutterschutz nach der Geburt

Auch nach der Entbindung bleibt der Mutterschutz bestehen. So gilt ein Beschäftigungsverbot bis acht Wochen nach der Geburt. Nach Ablauf der achten Woche ist eine Tätigkeit mit dem eigenen Einverständnis möglich. Allerdings kann man Frauen bis zur 16. Woche nicht zwingen, zur Arbeit zu gehen. Es liegt im Ermessen der Frau, wann sie wieder arbeitet.

Neben dem Beschäftigungsverbot gibt es den Mutterschaftsurlaub. Voraussetzung ist eine Versicherung bei der AHV während der Schwangerschaft sowie die fortgesetzte Arbeit für mindestens fünf Monate vor der Entbindung. Seit 2005 können Mütter bis zu 14 Wochen nach der Geburt zu Hause zu bleiben. Innerhalb dieser Zeit bekommen sie 80 Prozent ihres Lohnes. Das Maximum ist jedoch bei 196 Franken am Tag festgelegt.

Rechte für stillende Frauen

Wenn Frauen stillen, sind Arbeitgeber verpflichtet, ihnen dafür freie Zeit zur Verfügung zu stellen.

Bei einer Arbeitszeit von 4 Stunden sind das mindestens 30 Minuten, bei einer Arbeitszeit von mehr als vier Stunden dürfen sich Frauen 60 Minuten freinehmen und bei einer Arbeitszeit von über sieben Stunden mindestens 90 Minuten. Beim Stillen am Arbeitsplatz ist es sehr angenehm, einen ruhigen Rückzugsort zu haben.

Diese Arbeiten sind für Schwangere tabu

Das Arbeitsgesetz legt fest, dass schwangere Frauen keine gefährlichen und beschwerlichen Arbeiten ausführen dürfen, wenn diese die Gesundheit der Schwangeren und des Kindes belasten können. Ob eine solche Belastung vorliegt oder nicht, wird von einer fachlich kompetenten Person beurteilt. 

Gefährliche und beschwerliche Arbeiten laut des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung sind Tätigkeiten: 

•    Bei denen schwere Lasten von Hand bewegt werden
•    Die zur Ermüdung führen können, zum Beispiel durch eine gebückte Körperhaltung
•    Die mit Stössen, Erschütterungen oder Vibrationen verbunden sind
•    Bei Kälte, Hitze oder Nässe 
•    Die mit schädlichen Strahlen oder Lärm verbunden sind 
•    Unter Einwirkung von schädlichen Stoffen oder Mikroorganismen 
•    In Schichten mit Rückwärtsrotation
•    In mehr als drei Nachtschichten 

Publiziert von der Redaktion, Titelbild: iStock, Thinkstock

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