MamizeitMutterschaftsurlaub: In der Schweiz gelten diese Rechte

Der Mutterschaftsurlaub in der Schweiz ist gesetzlich geregelt. Aber nicht alle Frauen haben Anspruch auf die 14-wöchige Mutterschaftsentschädigung – und auch beim Antrag gibt es einiges zu beachten.

Mutterschaftsurlaub in der Schweiz
Der Mutterschaftsurlaub in der Schweiz ist recht kurz im europäischen Vergleich. © iStock / Getty Images Plus

Endlich ist das Baby da. Doch mit dem Wochenbett beginnt eine neue anstrengende Zeit. Gleichzeitig muss sich die Mutter von den Strapazen der Geburt erholen, erlebt eine neue Achterbahnfahrt der Hormone und auch das Stillen ist nicht ohne. Aus diesen Gründen haben Mütter in der Schweiz ein Recht auf einen kurzen Urlaub.

Doch welche Frauen haben ein Anrecht auf die bezahlte Mamizeit und was gilt es bei dem Antrag zu beachten? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer hat Anrecht auf Mutterschaftsentschädigung?

Das Recht auf einen bezahlten Mutterschaftsurlaub haben in der Schweiz alle erwerbstätigen Mütter. Als erwerbstätig gelten Frauen, die angestellt und selbstständig sind oder in einem Betrieb des Ehemannes oder eines Angehörigen mitarbeiten.

Arbeitslose Frauen müssen entweder bereits ein Taggeld der Arbeitslosenversicherung beziehen oder die Anspruchsvoraussetzungen für ALV-Taggelder erfüllen. Auch Frauen, die in einem gültigen Arbeitsverhältnis stehen, aber keine Lohnfortzahlung oder Taggeldleistung erhalten, weil der Anspruch ausgeschöpft ist, können die Entschädigung beantragen.

Ebenfalls Anspruch haben Mütter, die wegen Krankheit, Unfall oder Invalidität arbeitsunfähig sind und deswegen Taggeldleistungen einer Sozial- oder Privatversicherung beziehen. Vorausgesetzt dieses Taggeld wurde auf einem vorangegangenen Lohn berechnet.

Bezieht die Frau schon Taggelder wie zum Beispiel aus der Invalidenversicherung, dann geht die Mutterschaftsentschädigung vor und ist mindestens so hoch wie die zuvor bezogenen Gelder.

Voraussetzungen für die Mutterschaftsentschädigung

Um tatsächlich Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung zu haben, muss eine Frau neun Monate vor der Geburt im Sinne des AHV-Gesetzes versichert gewesen sein. Bei einer Frühgeburt wird die neunmonatige Versicherungspflicht entsprechend verkürzt:

  • 6 Monate bei der Geburt vor dem 7. Schwangerschaftsmonat
  • 7 Monate bei Geburt vor dem 8. Schwangerschaftsmonat
  • 8 Monate bei Niederkunft vor dem 9. Schwangerschaftsmonat

Zusätzlich muss sie während der Schwangerschaft mindestens fünf Monate lang erwerbstätig gewesen sein. Versicherungszeiten aus einem EU- oder EFTA-Mitgliedsstaat werden berücksichtigt, sofern sie mit dem Formular E104 nachgewiesen werden können.

Dauer des Mutterschaftsurlaubs

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Mutterschaftsurlaub hat eine Dauer von 14 Wochen.
  • Mütter haben Anspruch auf 80 Prozent Ihres Durchschnittsgehalts.
  • Voraussetzung: Erwerbstätigkeit oder Bezug von Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung.

Das Gesetz gibt ein Beschäftigungsverbot für Frauen von acht Wochen ab der Geburt des Kindes vor. Der Anspruch auf Mutterschaftsurlaub beginnt mit der Geburt des Kindes und besteht für 14 Wochen, also insgesamt 98 Tage. Die Mutter hat auch Anspruch auf die Leistungen, wenn das Kind nicht lebendig geboren oder nach der Geburt verstorben ist. Allerdings muss die Schwangerschaft mindestens 23 Wochen angedauert haben.

Höhe der Entschädigung

In den 14 Wochen des Mutterschaftsurlaubs bekommt eine Schweizer Mutter 80 Prozent des bisherigen Durchschnittseinkommens in Form von Taggeldern ausbezahlt.

Weitere Informationen

Eine ausführliche Broschüre zur Mutterschaft stellt das Staatssekretariat für Wirtschaft kostenlos zur Verfügung.

Pro Tag sind dies aber höchstens 196 Franken. Dieser maximale Taggeldbetrag wird mit einem Monatseinkommen von 7350 Franken (7350 Franken x 0.8 / 30 Tage = 196 Franken/Tag) berechnet. Bei Selbständigerwerbenden basiert die Rechnung auf einem Jahreseinkommen von 88.200 Franken. Ausgezahlt wird das Geld immer rückwirkend zum Monatsende. Beträgt der Betrag im Monat weniger als 200 Franken, gibt es eine einmalige Zahlung zum Ende der 14 Wochen.

Antrag für die Mutterschaftsentschädigung

Das Mutterschaftsgeld muss bei der AHV beantragt werden. Das Anmeldeformular dazu gibt es unter anderem auf der AHV-Webseite. Ist die Frau in einem Angestelltenverhältnis muss der Arbeitgeber den Antrag einreichen. Selbstständige, Arbeitslose und arbeitsunfähige Frauen geben ihren Antrag selbst bei der AHV-Ausgleichskasse ab.

«Der Antrag kann erst nach der Geburt eingereicht werden», bestätigt Janine Hertig von der AHV. Denn mit der Anmeldung müsse eine Kopie des Geburtsscheines mitgeschickt werden. «Dann besteht eine fünfjährige Verjährungsfrist.» Die Anmeldung müsse deshalb innerhalb von fünf Jahren nach der Geburt eingereicht werden, so Hertig.

Die AHV selbst stellt den werdenden Müttern ein Merkblatt mit den wichtigsten Fakten zur Mutterschaftsentschädigung zur Verfügung. Zwei wichtige Information darin: Während dem Mutterschaftsurlaub bleibt die Unfallversicherung beitragsfrei bestehen. Die Mutterschaftsversicherung verfällt, wenn die Frau bereits vor Ende der 14 Wochen wieder in das Berufsleben einsteigt. 

Aufgepasst! Die Entschädigung ist beitragspflichtig

Da die Mutterschaftsentschädigung anstelle des Lohns ausgezahlt wird, ist sie auch beitragspflichtig. Auf den Betrag müssen AHV/IV- und EO-Beiträge entrichtet werden. Wie das übrige Einkommen wird auch die Entschädigung auf dem AHV-Konto der Versicherten vermerkt. Der Vorteil: Dadurch wird es zur Berechnung der Rente berücksichtigt. 

Ansprüche nach dem 14-tägigen Mutterschaftsurlaub

Wenn das Kind nach der Geburt länger im Spital bleiben muss, kann die Mutter eine Verschiebung der Zahlungen verlangen. Diese beginnen erst, sobald das Kind zu Hause ankommt.

Ausserdem dürfen Mütter nach dem Mutterschaftsurlaub nicht zu Aufgaben eingesetzt werden, die ihre Leistungsfähigkeit überschreiten. Die Leistungsunfähigkeit muss durch einen Arzt bestätigt werden. Im Arztzeugnis sollte vermerkt sein, welche Arbeit ausgeübt werden kann und welche nicht.

Zusätzlich haben Mütter das Recht, nach den 14 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub zwei weitere Wochen frei zu nehmen. Allerdings ist der Arbeitgeber in diesen zwei Wochen nicht mehr zu Lohnauszahlungen verpflichtet.

Ist die Schweizer Mutterschaftsversicherung zeitgemäss?

Das Schweizer Bundesgesetz sieht weder einen Vaterschaftsurlaub vor, noch ist darin eine Elternzeit geregelt. Hier besteht ein grosser Unterschied zu der Gesetzeslage in anderen europäischen Staaten. In Österreich oder Deutschland werden Müttern und Vätern umfassendere Rechte eingeräumt. Sogesehen, hat die Schweiz bei den Themen Familienförderung und Mutterschutz Nachholbedarf.

Publiziert von der Redaktion

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