GestoseWas die Schwangerschaftsvergiftung so gefährlich macht

Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Schwellungen an Händen und Füssen sind Anzeichen einer Schwangerschaftsvergiftung. Das müssen Sie wissen, um schwerwiegenden Komplikationen für Sie und Ihr Kind vorzubeugen.

Schwangerschaftsvergiftung
Dass ein Fliegenpilz giftig ist, weiss jedes Kind. Die Gefahren der Schwangerschaftsvergiftung sind weniger bekannt. © Adrian Infernus, unsplash

Der Begriff Schwangerschaftsvergiftung suggeriert, dass durch die Schwangerschaft freigesetzte Stoffe eine Vergiftung auslösen. Das stimmt nicht. Der Begriff ist heute veraltet, wird umgangssprachlich aber noch häufig benutzt. In der Fachsprache wird die Erkrankung als Präeklampsie oder EPH-Gestose bezeichnet. Es handelt sich um eine Anpassungsstörung des Körpers an die Veränderungen während der Schwangerschaft. 

Gemäss dem Universitätsspital Basel erschwert die Präeklampsie in unterschiedlichen Ausprägungen etwa zwei Prozent aller Schwangerschaften.  

Symptome der Schwangerschaftsvergiftung

Die Präeklampsie tritt im letzten Drittel einer Schwangerschaft auf, nämlich in der Regel nach der 20. Schwangerschaftswoche. Sie beginnt mit harmlosen Anzeichen wie Kopfschmerzen oder Wasserablagerungen in Beinen und Händen. Auch kommt es zu einem erhöhten Blutdruck, auch Hypertonie genannt, und im Urin finden sich Eiweissausscheidungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Präeklampsie ist eine Anpassungsstörung an die Schwangerschaft, die im letzten Schwangerschaftsdrittel auftritt.
  • Bei Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen und Bluthochdruck sollten Schwangere einen Arzt aufsuchen.
  • Die Präeklampsie kann unterschiedlich schwer verlaufen. Bei starken Komplikationen muss das Baby frühzeitig entbunden werden.

Nicht immer deuten diese Symptome auf eine Präeklampsie hin. Trotzdem gilt: Sollten bei Ihnen im letzten Schwangerschaftstrimester eines oder mehrere der typischen Symptome auftreten, kontaktieren Sie Ihren Arzt. In der Folge kann dieser durch weitere Untersuchungen feststellen, ob es sich um eine beginnende Präeklampsie handelt. Warten Sie nicht bis zur nächsten Vorsorgeuntersuchung. Die Präeklampsie kann innerhalb kurzer Zeit akut und gefährlich werden.

Konstante Überwachung ist nötig

Eine Schwangerschaftsvergiftung kann ganz unterschiedlich verlaufen und verschiedene Schweregrade aufweisen. Nach einer Diagnose der Erkrankung müssen deshalb die werdende Mutter und ihr Kind konstant überwacht werden.

Im Anfangsstation kann die werdende Mutter durch eine ausgewogene und salzhaltige Ernährung mit genügend Eiweissprodukten die Erkrankung behandeln und die Ödeme durch Hochlagern der Beine oder Kompressionsstrümpfe reduzieren. Zur Behandlung gehört es zudem, Stress zu vermeiden – sowohl privat wie auch beruflich. Je nach Schweregrad schreibt der Arzt die Schwangere krank.

Sinkt der Blutdruck trotzdem nicht, werden die angehenden Mütter oft mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt und wenn nötig stationär im Krankenhaus aufgenommen. So kann der Zustand der Mutter und des Kindes rund um die Uhr überwacht werden. Der Blutdruck muss gesenkt werden, um schwerwiegende Komplikationen wie eine Hirnblutung zu verhindern.

Anzeichen einer Schwangerschaftsvergiftung.
Ärzte überprüfen den Blutdruck der künftigen Mütter regelmässig, um eine Gestose früh zu erkennen.  © iStock, Thinkstock

Eklampsie und HELLP-Syndrom

Eine akute Komplikation, die auftreten kann, ist die Eklampsie. Es handelt sich um eine plötzliche Verschlimmerung der Symptome der Präeklampsie, verbunden mit oft schweren Krampfanfällen. Die Eklampsie ist eine ernstzunehmende Notfallsituation, die im schlimmsten Fall für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein kann.

Eine weitere schwere Verlaufsform der Schwangerschaftsvergiftung ist das HELLP-Syndrom. Hierbei werden die Blutgerinnung und die Funktion der Leber gestört, was sich durch starke Schmerzen im rechten Oberbauch sowie Übelkeit und Erbrechen äussert. Das HELLP-Syndrom ist sehr gefährlich, weil es in extremen Fällen innerhalb weniger Stunden zum Tod führen kann.

Manchmal ist die Geburt die einzige Lösung

Eine Behandlung der Symptome einer Präeklampsie ist möglich. Da ihre Ursache aber die Schwangerschaft ist, ist die einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit die Geburt des Kindes.

Was sind eigentlich Gestosen?

Bei Patientinnen zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche wird bei schweren Verlaufsformen der Schwangerschaftsvergiftung deshalb die Entbindung als Lösung erwogen. Als Gestose bezeichnet man alle Krankheiten, die durch eine Schwangerschaft ausgelöst werden. Frühgestosen treten während des ersten Drittels der Schwangerschaft auf, so zum Beispiel das Erbrechen am Morgen; Spätgestosen treten nach der 20. Schwangerschaftswoche auf. Hierzu zählt auch die Schwangerschaftsvergiftung.

Zwischen der 25. und 34. Schwangerschaftswoche werden Schwangere meist medikamentös behandelt, um und eine frühzeitige Geburt des Babys so lange wie möglich zu verzögern. Bei einem HELLP-Syndrom muss oft sofort die Geburt eingeleitet werden.

Nach der Entbindung des Babys klingen die typischen Symptome der Schwangerschaftsvergiftung von selbst wieder ab.

Die Ursachen der Präeklampsie

Es wird vermutet, dass die Belastungen der Schwangerschaft den Stoffwechsel beeinträchtigt. Die genauen Ursachen der Präeklampsie sind jedoch nicht geklärt. 

Vorerkrankungen wie Diabetes, chronische Nierenerkrankungen und Bluthochdruck erhöhen das Risiko, während einer Schwangerschaft daran zu erkranken. Weitere Risikofaktoren der Erkrankung sind Übergewicht und Mehrlingsschwangerschaften.

So beugen Sie die Komplikation vor

Wie bei den meisten Komplikationen ist auch bei der Schwangerschaftsvergiftung eine gesunde und ausgewogene Ernährung eine gute Basis zur Vorbeugung. Bei ersten Anzeichen dieser Gestose können zudem eiweisshaltige Lebensmitteln wie Käse, Milch, Fisch, Nüsse oder Hülsenfrüchte dazu beitragen, die Erkrankung vorzubeugen. Damit die Proteine verwertet werden können, sollten sie zusammen mit Kohlehydraten in Form von Kartoffeln oder Vollkornbrot konsumiert werden.

Schwangere sollten zudem darauf achten, ob sich in ihren Beinen und Händen Wasser einlagert. Ist dies der Fall, können sie die Füsse hochlagern und sich durch Wechselduschen und ausreichend Bewegung Linderung verschaffen.

Um Bluthochdruck (Hypertonie) zu vermeiden hilft Entspannung: Schwangere sollten sich und ihrem Baby nicht zu viel zumuten, sich immer wieder kleine Ruhepausen gönnen und sich im Beruf sowie privat nicht überlasten.

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