Mit Hand und HerzWie Hebammen Schwangere unterstützen

Hebammen begleiten Frauen durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Mehr zu ihren wichtigsten Aufgaben und welche Leistungen die Krankenkassen übernehmen, erfahren Sie hier.

Die Bedeutung der Hebamme 
Die Hebamme ist die grosse Stütze der schwangeren Frau. © Neil Thomas, Unsplash

Mit den Händen, den Augen und Ohren: Hebammen begleiten schwangere Frauen von den ersten Monaten der Schwangerschaft über die Geburt bis ins Wochenbett. Von der Vorsorge bis zur Stillberatung. Sie schauen über den medizinischen Tellerrand hinaus, nehmen sich Zeit für Gespräche und setzen häufig alternative Heilmethoden ein.

Studien belegen, dass Frauen, die von einer Hebamme betreut werden, eine höhere Chance haben, eine natürliche Geburt zu erleben. Auch die Weltgesundheitsorganisation befürwortet mehr Selbstbestimmung für die Schwangeren und kritisiert die steigenden Interventionsraten wie Kaiserschnitte. Nach den WHO-Richtlinien für die «Geburtsbetreuung für eine positive Geburtserfahrung» soll eine frauenzentrierte Betreuung im Mittelpunkt stehen, auch dank der Hebammen.

Die wichtigsten Aufgaben der Hebamme

1. Schwangerschaftsbegleitung

Die medizinische Betreuung in der Schwangerschaft ähnelt der beim Gynäkologen. So werden die Herztöne abgehört, die Fruchtwassermenge beurteilt, der Urin untersucht und der Babybauch sorgfältig abgetastet. Ultraschall-Untersuchungen führen weiterhin die Ärzte durch.

2. Geburtsvorbereitung

Die werdenden Eltern gut über die Schwangerschaftswochen, die Geburt und die Zeit danach informieren, das leisten die Geburtsvorbereitungskurse. 

3. Geburtsbegleitung

Im Spital von Beleghebammen, im Geburtshaus oder bei einer Hausgeburt können Gebärende begleitet werden. Nach einer ambulanten Entbindung beginnt die Betreuung direkt nach dem Spitalaustritt.

4. Nachkontrollen

Nach der Geburt beginnt ein neuer und sehr fordernder Lebensabschnitt. Bei den regelmässigen Besuchen begleitet die Hebamme die Familie im Wochenbett. Sie berät bei Pflege und Ernährung des Babys, dem Schlaf- und Schreiverhalten, beim Stillen. Zugleich überprüft sie die Gebärmutterrückbildung und die Heilung von Geburtsverletzungen.

5. Stillberatung

Stillen ist eine Herausforderung und das sensible System kann schnell aus dem Gleichgewicht kommen. Zu viel und zu wenig Milchfluss, Milchstau und Brustentzündungen können die Folge sein. Stillberaterinnen erklären die richtigen Stilltechniken, damit das Stillgeschäft für Mutter und Kind gut funktioniert.

6. Rückbildung

Die Rückbildungsgymnastik unterstützt die natürliche Rückbildung des Körpers der Mutter. Gezielte Übungen stärken beispielsweise den Beckenboden, Bauch- und Rückenmuskulatur.

7. Trauerbegleitung

Wenn das Kind bei oder nach der Geburt unerwartet stirbt, werden die Eltern in ihrem Trauerprozess begleitet und weitere Beratungsstellen vermittelt.

Betreuung durch einen Arzt oder eine Hebamme

«Jede Frau sollte sich überlegen, was ihre Ziele für die Schwangerschaft und die Geburt sind», empfiehlt die Hebamme Eva Kaderli aus Zürich.

So können Hebammen auch die gesamten Schwangerschaftskontrollen anstelle des Frauenarztes übernehmen. «Hebammen haben in der Schweiz eine medizinische Grundausbildung und einen Bachelor», bestätigt Kaderli. Auch ein Masterstudiengang für den Beruf  sei möglich.

Bei der Wahl des Geburtsortes stellt sich ebenfalls die Frage nach der Begleitung. Für eine Hausgeburt muss eine andere Geburtshelferin wie für eine geplante Geburtshaus-Geburt gesucht werden. Manche Spitäler arbeiten mit Beleghebammen zusammen. So haben Frauen eine Vertraute, die ihre Bedürfnisse gut kennt, bei der Geburt an ihrer Seite. Diese kontinuierliche Betreuung und das Vertrauen in eine bekannte Person, können den Geburtsvorgang erleichtern.

Alternativ lernt die Gebärende ihre Unterstützung erst bei der Ankunft im Spital kennen. Wenn es lange dauert, bis das Kind das Licht der Welt erblickt, wechselt das Personal wegen der Schichtarbeit und die Frauen haben auch nicht immer eine Hebamme an ihrer Seite.

Welche Kosten die Krankenkasse übernimmt

Laut dem Krankenversicherungsgesetz (KVG, Art. 101 Abs.1) sind Hebammen den Ärzten gleichgestellt. Sie können ohne ärztliche Verordnung die Begleitung der Schwangerschaft und der Geburt übernehmen und ihre Leistungen über die Grundversicherung abrechnen.

Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft werden sieben Untersuchungen vor der Geburt bezahlt. Schwangere müssen jedoch darauf aufmerksam gemacht werden, dass in der 16. Schwangerschaftswoche eine ärztliche Untersuchung vorgesehen ist. Ultraschallkontrollen führen jedoch nur die Ärzte durch. Für Geburtsvorbereitungskurse werden von der Grundversicherung 150 Franken übernommen, eventuell durch Zusatzversicherungen noch weitere Kosten.

Gedeckt durch die Grundversicherung sind zudem die Leitung einer Geburt in einem Krankenhaus, Geburtshaus oder die Hausgeburt.

Die Nachkontrollen finden in den 56 Tagen beziehungsweise acht Wochen nach der Niederkunft statt. Die Versicherung übernimmt zehn Besuche zur Pflege von Mutter und Baby sowie der Anleitung und Beratung der Mutter bei Pflege und Ernährung des Säuglings. Bei einer Erstgeburt, einem Kaiserschnitt, bei der Geburt von Mehrlingen oder einem Kind mit Behinderung, werden 16 Besuche bezahlt. Genauso wie die Kosten für drei Stillberatungen.

Für eine Kostenübernahme bei Naturheilverfahren muss die Schwangere oder junge Mütter eine Zusatzversicherung haben. Dazu zählt auch die Akupunktur zur Vorbereitung im dritten Trimester.

Wie Sie die richtige Hebamme für sich finden

Egal, für welchen Zweck eine schwangere Frau Unterstützung sucht, sollte Sie Ihre Suche frühzeitig beginnen.

Vermittlung einer Hebamme

Der Schweizerische Hebammenverband vermittelt Hebammen in allen Kantonen, das Projekt FamiliystartZürich ist auf die Region Zürich spezialisiert. Auch Frauenärzte und Geburtshäuser sind gute Ansprechpartner.

Der Schweizerische Hebammenverband empfiehlt, sich drei bis vier Monate vor dem errechneten Geburtstermin um eine Hebamme für das Wochenbett oder die Stillberatung zu kümmern.

Bei einer Begleitung in der Schwangerschaft beginnt die Suche mit dem positiven Schwangerschaftstest. Auch nach Geburtshelferinen für Hausgeburten und Beleghebammen sollten sich Interessierte frühzeitig umschauen, denn sie sollte auch in der Nähe leben, um schnell erreichbar zu sein. Ab dem zweiten Schwangerschaftsmonat sollten sich werdende Mütter deshalb auf die Suche machen.

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