Gemeinsames SorgerechtWas unverheiratete Paare in der Schweiz wissen müssen

Seit 2014 ist auch das gemeinsame Sorgerecht für unverheiratete Paare in der Schweiz möglich. Allerdings tritt die Regelung nicht automatisch in Kraft. Was Eltern wissen müssen.

Gemeinsames Sorgerecht in der Schweiz 

Immer wieder ist die elterliche Sorge ein Streit, der auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird. Meist hat ein Elternteil das Nachsehen. Um eine Gleichstellung von Mann und Frau zu gewährleisten, ist 2014 in der Schweiz ein neues Recht in Kraft getreten: auch unverheiratete Paare können nun ein gemeinsames Sorgerecht haben.

So ist das gemeinsame Sorgerecht in der Schweiz geregelt.
(Bild: Wavebreakmedia_Ltd/iStock, Thinkstock)

Gemeinsame elterliche Sorge gilt nicht automatisch

Bei unverheirateten Paaren tritt das gemeinsame elterliche Sorgerecht aber nicht automatisch in Kraft, sondern muss durch eine gemeinsame Erklärung beantragt werden. Die zuständige Behörde ist das zuständige Zivilstandsamt. Die Erklärung zum gemeinsamen Sorgerecht wird zusammen mit der Vaterschaftsanerkennung eingereicht. Später kann die Erklärung auch bei den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) abgegeben werden. 

Bei einer gemeinsamen elterlichen Sorge ist beispielsweise der Aufenthaltsort des Kindes von beiden zu bestimmen. Bei einem Umzug innerhalb der Schweiz des betreuenden Elternteils ist aber eine Zustimmung der anderen Seite nur notwendig, wenn es gravierende Auswirkungen auf die elterliche Sorge hat, wie zum Beispiel, dass der Kontakt zum zweiten Elternteil dadurch beträchtlich erschwert würde. Bei einem Umzug ins Ausland hat in jedem Fall der andere Elternteil zuzustimmen.

Weitere Informationen

Die Plattform humanrights informiert über die Einführung und Entwicklung des Gesetzes.

Wann gibt es geteiltes statt gemeinsames Sorgerecht?

Geteiltes Sorgerecht kann trotzdem von der Behörde zugesprochen werden, wenn es dem Wohl des Kindes dient. Auch falls bei unverheirateten Paaren keine Erklärung abgegeben wird, fällt das alleinige Sorgerecht automatisch der Mutter zu.

Grundsätzlich aber sollten beide Elternteile gemeinsam die elterliche Sorge übernehmen. Dazu zählen Entscheidungen über Erziehungsstil, Ausbildung und medizinische Entscheidungen, Schulwechsel sowie Zugehörigkeit der Religion. Alltägliche Entscheidungen kann der betreuende Elternteil aber alleine treffen. Im Streitfall ist eine Anhörung bei der Behörde Kesb möglich. Sowohl das Kind, aber auch die Eltern können sich dorthin wenden. Auch im Fall, dass sich ein Elternteil weigert die Erklärung zu machen, kann die Kesb kontaktiert werden.

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Was das gemeinsame Sorgerecht nicht regelt

Wie die Aufteilung der Betreuung gemacht wird, regelt das Gesetz allerdings nicht. Hierzu müssen sich beide Elternteile einig sein und dies miteinander einvernehmlich ausmachen. Die Aufteilung muss zum Wohle des Kindes sein. Findet man keine Einigung, wird einem Elternteil, wie bisher auch, nur das Besuchsrecht zugesprochen. Das gemeinsame Sorgerecht regelt zudem nicht die Zahlung der Alimente.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemeinsame elterliche Sorge bezeichnet die gemeinsame Verantwortung in Erziehung und Entwicklung Ihres Kindes.
  • Diese Regelung trat im Jahr 2014 auch für unverheiratete Paare in Kraft.
  • Allerdings erfordert das gemeinsame Sorgerecht zuerst eine gemeinsame elterliche Erklärung.


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