SchwangerschaftsdemenzWarum Schwangere vergesslich sind

Ja, es gibt sie wirklich die Schwangerschaftsdemenz. Und sie ist besser als ihr Ruf. Wie es zu den Gedächtnislücken kommt, warum sie nützlich sind und welche Tipps gegen die Vergesslichkeit helfen.

Schwangerschaftsdemenz

Die Herdplatte ist noch an, der Autoschlüssel schon wieder verlegt und den Termin mit der Freundin verpasst. Viele schwangere Frauen werden, je runder ihr Bauch ist, zunehmend vergesslicher. Ganz egal, wie gut sie vorher in ihrem Alltag organisiert waren, kommt ihnen oft in den Sinn: Ups, da war doch was!

Das Wichtigste in Kürze

  • Keine Angst vor der Schwangerschaftsdemenz, sie ist nur vorübergehend
  • Ursache sind die Hormonumstellung und die Konzentration des Körpers auf das Baby
  • Genügend Schlaf und Entspannung helfen 

Auf Englisch wird das Phänomen «Baby Drain» genannt. Im deutschen Sprachraum hat sich der Begriff «Schwangerschaftsdemenz» durchgesetzt. Aber ist es wirklich so ernst? Mit Demenz ist schließlich ein irreparabler Abbauprozess des Gehirns gemeint. Kann den werdenden Müttern wirklich eine Demenz diagnostiziert werden?

Was ist die Schwangerschaftsdemenz?

Forscher der Deakin University Melbourne in Australien haben sich intensiv mit der Schwangerschaftsamnesie beschäftigt. Ihre im Frühjahr 2018 veröffentliche Studie zeigt, dass die kognitiven Leistungen von schwangeren Frauen um 28 Prozent geringer sind als bei nicht schwangeren Gleichaltrigen. Besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft seien Gedächtnis, Impulskontrolle und Entscheidungsfindung eingeschränkt. Das Gedächtnis lasse aber schon im zweiten Drittel stark nach, stellten die Mediziner fest. Die Schwangeren seien aber voll alltagstauglich und der Zustand vorübergehend.

Von einer Demenz im medizinischen Sinne kann also nicht die Rede sein. Vielmehr ist alles andere unwichtig, wenn neues Leben entsteht. Ulrike Ehlert, Professorin für Klinische Psychologie an der Universität Zürich, sagt dazu: «Die Aufmerksamkeit richtet sich auf das Kind. Andere Dinge, die eher unwichtig sind, werden dann ausgeblendet.» Das schütze das Baby und fördere die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Ursachen für die Schwangerschaftssamnesie

Die Gründe für die Gedächtnislücken in der Schwangerschaft sind noch nicht eindeutig geklärt. Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass das Volumen der grauen Substanz im Gehirn bei Schwangeren vorübergehend zurückgeht. Andere Studien belegen eine Zunahme von Stresshormonen im Laufe der Schwangerschaft, während gleichzeitig die Vergesslichkeit kurz vor der Geburt ihr Maximum erreicht.

Professorin Ulrike Ehlert geht davon aus, dass Stress eine neurotoxische Wirkung auf das Gehirn habe und dadurch Erinnerungslücken verstärke. Sie führte auch eine Studie zum Bindungshormon Oxytocin durch, das vermutlich ebenfalls die Vergesslichkeit bei schwangeren Frauen verstärkt. Ihr Ergebnis: Auch Männer, denen das weibliche Hormon verabreicht worden ist, hatten plötzlich Erinnerungslücken.

Tipps gegen die Vergesslichkeit in der Schwangerschaft

Gegen den lästigen Gedächtnisschwund gibt es kein Allheilmittel, aber zum Glück einige Tipps, die angehenden Mamas helfen:

  • Genug schlafen
  • Aufgaben teilen: Auch der Partner kann einkaufen gehen
  • Einkaufszettel schreiben
  • Terminkalender führen
  • Entspannen mit Meditation oder Yoga für Schwangere
  • Ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit sind wichtig für Körper und Geist.
  • Hilfe suchen: Schwangerschaftsdemenz tritt häufiger bei Frauen auf, die Depressionen haben – glücklicherweise sind Depressionen bei Schwangeren aber nicht häufiger als bei Nichtschwangeren.

Sollten Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche jedoch grosse Ausmasse annehmen und mit anderen Symptomen wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Schwächezuständen auftreten, empfehlen Ärzte einen Bluttest, um Blutarmut und Eisenmangel auszuschliessen.

Generell sollte die Vergesslichkeit von allen Beteiligten aber nicht so tragisch gesehen werden. Schließlich erfüllt sie einen wichtigen Zweck: die volle Konzentration auf die wichtigste Aufgabe überhaupt – das Wohlbefinden des Kindes. Und sie ist auch ein gutes Training für die Zeit mit dem Baby, das früher oder später gerne an den Knöpfen in der Küche dreht. Da sind die Eltern schon gewohnt zu schauen, ob der Herd auch wirklich aus ist.

Haben Sie auch mit der Schwangerschaftsdemenz Bekanntschaft gemacht? Was haben Sie erlebt? Schreiben Sie uns einen Kommentar.

Publiziert von Eva Mell und Miriam Eckert, Titelbild: RAM/ Adobe Stock

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