Vorsicht Nahrungsergänzung!Warum Schwangere bei Vitaminen und Mineralstoffen aufpassen sollten

In der Schwangerschaft schlucken viele Frauen Nahrungsergänzungen. Oft wahllos. Doch die Menge an Vitaminen und Mineralstoffen schadet dem Baby. Was Schwangere wirklich brauchen.

Vitamine und Mineralstoffe in der Schwangerschaft
Die Auswahl an Vitaminen und Mineralstoffen für Schwangere ist riesig. Doch nicht jede Nahrungsergänzung ist auch gesund für Mutter und Kind. © iStock / Getty Images Plus

Eigentlich sollte die Schwangerschaft eine Zeit von Glück und Vorfreude sein. Doch mit dem positiven Schwangerschaftstest beginnt für viele Frauen eine sorgenreiche Zeit, voller Zweifel und Angst, etwas falsch zu machen. 

Was ist gut für mein Kind, was schadet ihm? Diese Fragen stellen sich auch bei der richtigen Ernährung in der Schwangerschaft. Viele Frauen nehmen daher Vitaminpillen und Tabletten mit Mineralstoffen ein, um den Bedarf für sich und das Baby zu stillen. Doch viel hilft nicht immer viel. In diesem Fall schadet es sogar dem Baby und strapaziert die Geldbörse unnötig.

Risiken durch zu viel Nahrungsergänzung

Kürzlich warnte die französische Gesundheitsbehörde Anses vor dem übermäßigem Konsum von Vitamintabletten. Die Forscher berichten von fünf Neugeborenen mit Hyperkalzämie, einem erhöhten Kalzium-Pegel im Blut, die die Mütter Vitamin-D-Tabletten genommen hatten.

Zwei andere Kinder hatten eine Schilddrüsenunterfunktion durch zu viel Jod. Beides könne schwere Folgen haben, warnen die Anses-Forscher: bei einer Hyperkalzämie etwa starken Gewichtsverlust oder Dehydrierung, bei einer Schilddrüsenunterfunktion geistige Retardierung.

Auch Vitamin A ist ein Risiko für Schwangere. Die hohen Mengen an Retinol können in der Frühschwangerschaft Missbildungen beim Fötus verursachen. Auch Frauen mit Kinderwunsch sollten daher nicht die Vitamin-A-reiche Leber essen oder Präperate mit dem Vitamin einnehmen.

Die Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) sieht den Trend für Nahrungsergänzungen kritisch: «Alle Experten sind sich einig, dass Früchte und Gemüs das Beste sind», sagt Dr. Ulrich Moser, Präsident des SGE. «Nahrungsergänzung ist das, was der Name sagt: nur eine Ergänzung der Nahrung.»

Der Bedarf an Vitaminen steigt

Merkblatt und Tabellen zur Nahrungsergänzung

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung stellt ein Merkblatt zur «Ernährung in der Schwangerschaft» zur Verfügung. Stiftung Warentest führt eine aktuelle Tabelle mit dem Tagesbedarf an Vitaminen und Mineralstoffen für extra Angaben für Schwangere.

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Nahrung und dadurch automatisch an Vitaminen und Mineralstoffen sowie Omega-3-Fettsäuren. Bei einer abwechslungsreichen Ernährung mit selbst gekochtem Essen, viel Obst und Gemüse kann der Bedarf meist durch die Lebensmittel gedeckt werden. Ohne Mikrowellenessen, Fast Food und Dosen ist eine Schwangerschaft ohne Vitamintabletten kein Problem. 

Wichtig für eine ausreichende Nährstoffversorgung ist jedoch auch die Zubereitung. Vitamine sind flüchtig, viel Licht und Hitze schaden ihnen. Deshalb sollte Gemüse nur schonend gegart und auch roh verzehrt, Obst nicht zu lange gelagert werden. 

Dank einer solchen ausgewogenen Ernährung kann es in der Schwangerschaft lediglich bei einigen wenigen Vitaminen und Mineralstoffen knapp werden. Die Einnahme von den Präparaten sollten Schwangere in jedem Fall immer mit dem Arzt absprechen, empfielt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung. 

Vitamin C

Der Bedarf von Vitamin C erhöht sich in der Schwangerschaft um zehn Prozent. Deshalb ist es sinnvoll, den Tee immer mit ein paar Tropfen Zitronensaft zu trinken. Die Ascorbinsäure hilft, das pflanzliche Eisen besser zu verwerten und unterstützt die Bildung der roten Blutkörperchen, indem es die Knochenmarksfunktion anregt. Ein Mangel an Vitamin C kann zum Beispiel Blutungen wie Zahnfleichbluten auslösen.

Vitamin D

Für die Knochenbildung ist das Vitamin D wichtig. Der Körper kann es selbst bilden, wenn er viele Sonnenstrahlen abbekommt. In Lebensmitteln kommst es hingegen kaum vor. In der Schweiz ist eine Unterversorgung mit Vitamin D weit verbreitet, so das SGE. In der Schwangerschaft wird deshalb eine tägliche Dosis von 15 Mikrogramm (600 Internationale Einheiten) Vitamin D in Form von Tropfen empfohlen.

Folsäure

Das Vitamin Folsäure ist für die Entwicklung des Nervensystems und die Blutbildung unverzichtbar. Studien belegen, dass die Einnahme von Folsäure das Risiko für angeborene Defekte, beispielsweise Herzfehler, um gut 50 Prozent senken kann. Bei zu wenig Folsäure kann beim Kind ein Neuralrohrdefekt wie ein offener Rücken auftreten. 

Der Tagesbedarf von 200 Mikrogramm Folsäure wird schon mit 200 Gramm Broccoli erreicht. In der Schwangerschaft erhöht sich der Bedarf auf täglich 400 Mikrogramm. Insbesondere in der Frühschwangerschaft bis zur zwölften Woche und schon beim Kinderwunsch ist deshalb die Einnahme von Folsäure, je nach Bedarf mit oder ohne Jod, gängig.

Broccoli ist ein Folsäurewunder: Schon 200 Gramm von diesem Gemüse decken den normalen Tagesbedarf von 200 Mikrogramm Folsäure. © iStock / Getty Images Plus

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren wie EPA und die Docosahexaensäure (DHA) spielen in der zweiten Schwangerschaftshälfte eine wichtige Rolle. DHA ist insbesondere für die Entwicklung von Gehirn, Nerven und Auge des Fötus entscheidend. Ihren Bedarf von 200 Milligramm am Tag decken Schwangere bereits mit ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche, zum Beispiel mit 200 Gramm fettreichem Lachs oder Sardellen, empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung. Auch Rapsöl und Baumnüsse liefern Vorstufen dieser wertvollen Fettsäuren, die im Körper dann umgewandelt werden können.

Mineralstoffe

Mineralstoffe sind anorganischen Ursprungs und liegen meist als Ionen oder anorganische Verbindungen vor. Darum können sie beim Kochen nicht wie die hitzeempfindlichen Vitamine zerstört werden. Nur ein überlanges Kochen kann die Nahrung "auslaugen" und somit die Mineralstoffe entfernen. Auch bei einigen Mineralstoffen kann trotz einer guten Ernährung mit frischen Gemüse aus dem Feldanbau in der Schwangerschaft ein Mangel auftreten. Diese sollten auf jeden Fall vom Arzt überprüft werden.

Eisen

Während der Schwangerschaft werden grosse Mengen an Eisen für die Blutbildung benötigt. Der Eisenbedarf steigt um 100 Prozent. Deshalb haben viele Schwangere einen Eisenmangel, insbesondere zum Ende der 40 Wochen. Die Frauenärzte kontrollieren ihn deshalb regelmässig über den Hämoglobinwert im Blut. Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Antriebslosigkeit sind ebenfalls Hinweise für einen Mangel.

Fleisch und Eier liefern Eisen. Doch auch pflanzliche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und manche Gemüsesorten wie Spinat und Krautstiele enthalten Eisen. Es wird vom Körper jedoch nicht so gut aufgenommen wie das Eisen aus tierischen Lebensmitteln.

Werden gleichzeitig Vitamin-C-reiche Lebensmittel wie Peperoni, Rosenkohl, Broccoli, Kiwi und Zitrusfrüchte gegessen, verbessert dies die Eisenaufnahme. Auch Säfte aus Holunder, schwarzer Johannesbeere und Himbeeren sind sehr eisenhaltig.

Eine Eisenergänzung mit Tabletten wird nicht generell empfohlen, sondern wird nur bei Bedarf vom Frauenarzt verschrieben, warnt die SGE. Nebenwirkungen sind Verstopfung, Übelkeit und Durchfall. Zudem sollten Schwangere darauf achten, welches Eisenpräperate sie nehmen. Im Vergleich von ÖKO-Test schnitten viele Nahrungsergänzungen schlecht ab, Arneimittel hingegen besser. Ist der Mangel ausgeglichen, sollten die Eisenpräperate nicht länger genommen werden. Denn eine unnötige dauerhafte hohe Zufuhr kann Schwangeren schaden und birgt laut dem Institut für Risikobewertung Risiken wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes.

Jod

Jod ist ein lebenswichtiges Mineral und auch für das ungeborene Kind wichtig. In der Schwangerschaft wird ein erhöhter Jodbedarf von 50 µg pro Tag benötigt, insgesamt 230 Mikrogramm. Dieser kann über Fisch und Milchprodukte gedeckt werden. Generell gilt, dass durch die Jodzusätze in vielen Lebensmitteln und Mineralwasser der tägliche Bedarf ohnehin gedeckt ist. Wer Lebensmittel ohne Jodzusatz sucht, muss die Augen offenhalten. Kritiker sprechen sogar von einer «Zwangsjodierung».

Ein Jodmangel kann zu Gehirnschäden beim Baby und bei Schwangeren zu extremer Gewichtszunahme, Müdigkeit und Haarausfall führen. Aber auch eine Überdosierung kann giftig sein und mit Schilddrüsenüberfunktion, gereizten Schleimhäute, Asthma oder Autoimmunerkrankungen einhergehen. Ein Jodstatus beim Arzt gibt Auskunft und die Möglichkeit zu reagieren.

Nahrungsergänzungen für Vegetarier und Veganer

Schwangere, die nicht auf ihre vegetarische oder vegane Ernährung verzichten möchten, sollten ihre Nährstoffversorgung auf jeden Fall mit dem Arzt abklären. Insbesondere die Versorgung mit Eiweiss, Vitamin B12, Selen, Jod, Kalzium und Omega-3 Fettsäuren ist durch das Fehlen von Fleisch, Ei und Milchprodukten schwierig.

Ein Ausgleich ist über eine gezielte Auswahl der Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Tofu, Eier und Milchprodukte als Eiweisslieferanten möglich. Auch der Verzehr von angereicherten Lebensmitteln wie Cerealien mit Eisen und die Einnahme von Nahrungsergängzungsmitteln mit Vitamin B12 und Omega-3 Fettsäuren ist möglich.

Für Mangelerscheinungen in der Schwangerschaft sind neben Vegetarierinnen und Veganerinnen auch Frauen betroffen, die stark untergewichtig sind oder schnell nach einer Geburt wieder schwanger werden. Auch sehr junge Schwangere und Frauen, die unter starker Übelkeit in der Schwangerschaft leiden gehören zur Risikogruppe. Bei Abhängigkeit von Nikotin, Alkohol oder anderen Drogen sowie die Einnahme von Medikamenten bei chronischen Krankheiten ist eine Abklärung der Ernährung mit dem Arzt sinnvoll. 

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