Aus eins wird zweiWie Zwillinge entstehen und was sie unterscheidet

Zwei Babys in einem Bauch. Diese Nachricht ist für viele Schwangere oft eine grosse Überraschung. «Einiig oder zweieiig», lautet meist ihre erste Frage. Dies lässt sich in den ersten Wochen der Schwangerschaft feststellen. Wie es zu Zwillingsschwangerschaften kommt und was sie besonders macht.

Zwillinge

Zwillinge sind Embryonen, die sich zur gleichen Zeit in einer Gebärmutter entwickeln. Aber zu einer Zwillingsschwangerschaft kann es auf verschiedene Weise kommen:

Teilt sich eine befruchtete Eizelle bereits in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft, entstehen zwei genetisch identische Embryonen. Werden zwei verschiedene Eizellen hingegen durch jeweils eine Samenzelle befruchtet, unterscheiden sich die Erbinformationen der Mehrlinge wie bei anderen Geschwisterkindern auch.

Zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche kann eine Ultraschalluntersuchung Klarheit bringen. Sind zwei Embryonalhüllen, Chorion genannt, in der Gebärmutter, handelt es sich um zweieiige Zwillinge. Ist nur ein Chorion zu sehen oder auch nur eine Plazenta, handelt es sich um eineiige Zwillinge.

Eineiige Zwillinge: Was sie unterscheidet

Aber eineiig ist nicht gleich einiig. Ausschlaggebend ist vielmehr der Zeitpunkt, an dem sich die befruchtete Eizelle teilt. Je nachdem, wann genau die Teilung der Eizelle stattfindet, entwickeln sich die eineiigen Zwillinge unterschiedlich: 

  • Dichorisch-diamniotisch: Bis zum dritten Tag nach der Befruchtung entstehen dichoriale eineiige Zwillinge. Das Chorion (die äußere Eihaut) trennt sich vollständig und jeder Zwilling hat eine eigene Fruchtblase und eine eigene Plazenta zur Verfügung. Dies ist jedoch nur sehr selten der Fall. 
  • Monochorisch-diamniotisch: Zwischen dem dritten und siebten Tag nach der Befruchtung entstehen zwei Fruchtblasen. Die Zwillinge teilen sich aber weiterhin eine Plazenta. Dies ist bei der Mehrheit der eineiigen Schwangerschaften der Fall. Allerdings sind auch Komplikationen möglich, da der Blutkreislauf der Mehrlinge durch den gemeinsamen Mutterkuchen schnell aus dem Gleichgewicht kommen kann.
  • Monochorisch-monoamniotisch: Ab dem neunten Tag nach der Befruchtung trennen sich die Embryonen, teilen sich aber weiterhin eine Fruchtblase und eine Plazenta. In diesem seltenen Fall, weniger als einem Prozent, kann es häufig zu Komplikationen kommen.
  • Siamesische Zwillinge: Findet die Teilung erst nach zwei Wochen statt, ist das Ergebnis eine unvollständige Teilung der Eizelle. Es entstehen siamesische Zwillinge. Die Embryos bleiben miteinander verbunden und teilen sich zum Beispiel die gleichen Organe wie Herz oder Lunge. Dies ist aber extrem selten. Viele siamesische Zwillinge können heute erfolgreich durch eine Operation getrennt werden.

Eineiige Zwillinge, meist immer gleichgeschlechtlich, können in Ausnahmefällen auch Junge und Mädchen sein. Dafür muss die befruchtete Eizelle die Geschlechtschromosomen XY (männlich) aufweisen und das Y-Chromosom eines Embryos bei späteren Zellteilungen verloren gehen. In diesem Fall entsteht ein Mädchen mit Turner-Syndrom.

Zweieiige Zwillinge – zwei parallele Schwangerschaften

Zweieiige Mehrlinge entwicklen sich dagegen vollkommen unabhängig voneinander. Die zwei Eizellen können aus verschiedenen Eierstöcken stammen, die zwei Spermien können die Zellen auch zu völlig unterschiedlichen Zeiten befruchten. Es können mehrere Tage dazwischen liegen. Neben dem individuellen Erbgut und dem unterschiedlichen Geschlecht, haben die Kinder eine eigene Fruchtblase und eine eigene Plazenta.

Zwillinge am Erdbeeren essen.
Zweieiige Zwillinge sind oft auch Mädchen und Junge. (Bild: 
iStock / Getty Images Plus)

Warum Zwillingsgeburten immer häufiger werden

In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Zwillings- und Mehrlingsschwangerschaften in den Industrienationen stark angestiegen – die Schweiz bildet hier keine Ausnahme, wie das Schweizer Bundesamt für Statistik zeigt.

Vor allem zwei Gründe tragen zu diesem Trend bei. Die Frauen sind zum Zeitpunkt der ersten Schwangerschaft immer älter. Bis zum Alter von 38 Jahren wird das Follikel stimulierender Hormon, kurz FSH, verstärkt ausgeschüttet, welches für die Produktion der Eibläschen im Eierstock zuständig ist. Dadurch kann es in einem Zyklus zu mehreren Eisprüngen kommen.

Zudem greifen immer mehr Eltern auf die künstliche Befruchtung zurück, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Nach einer künstlichen Befruchtung von Eizellen werden gewöhnlich mehrere der entstandenen Embryonen in die Gebärmutter transferiert. Die Methode führt daher häufiger zu Zwillings- oder seltener auch zu Drillingsschwangerschaften. Die Mehrlinge sind immer zweieiig.

Die hormonelle Stimulation der Eierstöcke, die häufig zur Behandlung von Fruchtbarkeitsproblemen eingesetzt wird, erhöht ebenfalls die Chancen auf eine Zwillingsschwangerschaft.

Besonderheiten der Zwillingsschwangerschaft 

Mehrlingsschwangerschaften werden vorsorglich immer als Risikoschwangerschaften eingestuft. Trotzdem bedeutet dies nicht automatisch einen Kaiserschnitt. Auch eine natürliche Geburt ist mit Zwillingen möglich. Die Babys kommen meist schon etwas früher – um die 37. Schwangerschaftswoche – auf die Welt.

Welche genaue Art der Zwillingsschwangerschaft vorliegt, ist aber auch für die Geburtsvorsorge ausschlaggebend. Insbesondere, wenn es sich um monochoriale Zwillinge handelt. Bei ihnen besteht die Gefahr eines sogenannten fetofetalen Transfusionssyndroms (FFTS). Dabei gelangt Blut des einen Fötus in den Blutkreislauf des anderen, was zu Komplikationen führen kann. Die Untersuchung wird mit einem Spezialultraschall durchgeführt, den zum Beispiel die Geburtshilfe des Universitätsspitals Zürich anbietet.

Publiziert von der Redaktion, Titelbild: iStock / Getty Images Plus

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